VW und sein China-Problem: Autobauer in Schwierigkeiten

Der Machtkampf bei VW hat mit den Absatzzahlen in China zu tun. Offen ist, ob dem Konzern die Trendumkehr gelingt.

Viele Neuwagen in einem Hafen.

Verkaufen sich nicht so gut: Elektroautos von VW im chinesichen Hafen Suzhou Foto: VCG/imago

Die Durststrecke von Volkswagen in China wäre an sich nicht dramatisch, doch aufgrund des bisherigen Dauererfolgs ist die Fallhöhe riesig: Wohl kaum ein anderes deutsches Unternehmen hat derart vom Boom im Reich der Mitte profitiert wie der Autobauer aus Wolfsburg.

Die jüngsten Absatzzahlen sind jedoch sehr enttäuschend: Während der Automarkt in der Volksrepublik insgesamt wächst, verliert der Marktführer seit Monaten deutlich an Boden. Der Absatz aller VW-Marken in China ist in diesem Jahr bereits um 8 Prozent zurückgegangen. Mitte November wurde öffentlich, dass VW-China-Chef Stephan Wöllenstein abgezogen wird.

Was die Situation so bedrohlich wirken lässt, sind jedoch die Indikatoren für die Zukunft: Insbesondere der ID.4, der unter großem Trommelwirbel als VW-Hoffnung für die Elektrozukunft vermarktet wurde, kann die Erwartungen in China bislang nicht erfüllen. In den sozialen Netzwerken stellen viele User die berechtigte Frage, wieso man ein Auto kaufen solle, das ein Vielfaches im Vergleich zur heimischen Konkurrenz kostet, doch nur wenig mehr an Leistung bietet.

Es ist keine kühne These, dass deutsche Hersteller ihren Vorsprung auf dem klassischen Verbrennermarkt bei Elektroautos nicht mehr ausspielen können. War es doch vor allem die Ingenieurskunst, die man weltweit so sehr schätzt.

„Smartphones auf Rädern“

Doch die Fahrzeuge der Zukunft entwickeln sich viel stärker zu „Smartphones auf Rädern“, die alle paar Jahre ausgewechselt werden. Da kommt es auf Dinge wie Service, Entertainmentelemente und Kundenbindung an. Und insbesondere die chinesischen Produzenten haben technologisch und designmäßig stark aufgeholt.

VW gibt sich dennoch weiterhin kampfbewusst, man will schon bis 2025 Tesla eingeholt haben. Ausgeschlossen ist das nicht. Gelingen kann es allerdings nur, wenn man auch im wichtigsten Absatzmarkt China endlich wieder Fahrt aufnimmt. Noch ist eine Trendumkehr aber nicht auszumachen.

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Seit 2019 China-Korrespondent mit Sitz in Peking. Arbeitete zuvor fünf Jahre lang als freier Journalist für deutschsprachige Medien in Seoul, Südkorea. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.

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