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„Unsere Symphatie für die GSG 9“

■ Interview mit Bundeskanzler Kohl in den „Tagesthemen“

Selten genug spricht unser Kanzler mehr als nur Wolkiges. Am Donnerstag äußerte sich Kohl in den Tagesthemen u.a. zum Fall Bad Kleinen. Wir dokumentieren die wesentlichsten Textstellen.

Ulrich Wickert: Eines der großen Themen dieser Tage ist ja die innere Sicherheit, insbesondere, weil über Bad Kleinen, wo ein GSG 9-Mann ums Leben gekommen ist, immer noch nicht alles aufgeklärt worden ist. Vier Wochen später – ist das nicht ungewöhnlich?

Helmut Kohl: Das ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch in höchstem Maße für mich nicht nur unangenehm, sondern zum Teil auch unerklärlich. Wir müssen hier sicherlich nacharbeiten und müssen mit großer Entschiedenheit darauf drängen, so schnell wie möglich diesen Vorgang, auch wenn Fehler begangen wurden, rundum aufzuklären. Aber das ist kein Grund, pauschale Verdächtigungen etwa gegen Beamte des Bundesgrenzschutzes, der GSG 9 oder überhaupt aufzustellen.

Das tut ja auch keiner.

Das brauche ich Ihnen nicht zu beweisen, daß man mit vorschneller Vorverurteilung sehr weit fortgeschritten ist. Es ist weit mehr über den Mörder des Polizeibeamten geredet worden, als über das Opfer, über den Beamten, der sein Leben lassen mußte.

Das hat natürlich auch seinen Grund.

Das weiß ich nicht, ob das einen Grund hat.

Das hat den Grund, weil man nicht weiß, wer Herrn Grams erschossen hat, den mutmaßlichen Terroristen. Dann fragt man sich: War es einer von denjenigen, die einen staatlichen Auftrag hatten?

Da muß ich natürlich die Frage vorweg stellen: Es ist ja nicht das Normale, daß jemand, der von der Polizei gestellt wird, sofort schießt, und zwar so schießt, daß er den ihn stellenden Polizeibeamten ermordet – das wollen wir nochmal festgestellt haben. Es ist, glaube ich, dringend an der Zeit, zunächst einmal von dem Opfer zu reden und nicht von dem, der geschossen hat. Der hätte sich ja der Polizei stellen können, wenn er unschuldig gewesen wäre. Die Vermutung, daß er ein Terrorist war, ein gesuchter Verbrecher war, ist doch sehr groß.

Glauben Sie, daß man Lehren ziehen muß aus Bad Kleinen, vielleicht umstrukturieren muß?

Ja, man muß mehrere Lehren daraus ziehen. Erstens mal muß man wirklich überprüfen, ob dort Fehler gemacht wurden, aber die zweite wichtige Lehre ist, daß wir uns als Volk – ich sage dies ausdrücklich für mich und die Bundesregierung – zu denen in der Bevölkerung stellen, die für die innere Sicherheit täglich auch ihr Leben einsetzen, daß es aufhört, pauschal Polizeibeamte zu verdächtigen, die Sicherheitsorgane, die Nachrichtendienste ins Zwielicht zu stellen. Wir brauchen die Bundeswehr für die äußere Sicherheit, und wir brauchen die Polizei, die GSG 9, den Bundesgrenzschutz, alle Organe, die die innere Sicherheit garantieren und ermöglichen – und die brauchen unsere Sympathie und unsere Unterstützung.

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