: Uni-Stiefkinder: die Bibliotheken
■ Fachbereichsbestände sind noch nicht in den »Norddeutschen Bibliotheksverbund« aufgenommen
Es gibt Momente, da ist ein Student der einsamste Mensch auf der Welt. Beispiel Literatursuche: Wo, bitte sehr, findet man nun „Das Konzept der ACE-Steuer nach dem Institut for Fiscal Studies“? Keine Ahnung, und die Zeit drängt.
Im Labyrinth der Hamburger Uni-Bibliotheken hat sich schon mancher verirrt. Über 120 Fachbereichsbibliotheken existieren zur Zeit, daneben die zentrale Staats- und Universitätsbibliothek, kurz Stabi genannt, die allein einen Bestand von 2,4 Millionen Bänden zählt. Auch externe Institute sind manchmal zu empfehlen, etwa das HWWA (Hamburger Weltwirtschaftsarchiv).
Allzu leicht geht in diesem Gewirr ein brauchbarer Titel verloren oder bleibt unentdeckt. Denn trotz ihrer räumlichen Nähe sind die Uni-Bibliotheken untereinander kaum vernetzt und technisch auf teilweise völlig veraltetem Stand. Eine zentrale Erfassung aller an der Universität verfügbaren Titel ist noch nicht in Sicht.
Immerhin ein Anfang besteht seit dem vergangenen Semester. Die Stabi hat sich mit Hochschulbibliotheken in Bremen, Schleswig- Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zum „Norddeutschen Bibliotheksverbund“ zusammengeschlossen. Über Computerterminals im Rechenzentrum der Hamburger Uni ist eine Literaturrecherche im Gesamtbestand des Verbundes möglich. Auch einzelne Fachbereiche der Uni wollen ihre Titel in das System einspeichern. Auf diesem Wege könnte die Literatursuche künftig zentralisiert und erheblich vereinfacht werden.
„Es ist allerdings fraglich, wer die Automatisierung des Biblio-
1thekswesens an der Uni in Zukunft vorantreiben wird“, meint dazu Stefan Gradmann, Leiter des Norddeutschen Bibliotheksverbundes. Denn die Universität hat weder einen Bibliotheksreferenten noch stehen Mittel für eine Vernetzung der Bibliotheken zur Verfügung. Und angesichts der hohen Studentenzahlen haben manche Bibliothekare gar kein Interesse daran, daß ihre Bestände allzu bekannt werden, sprich: mehr Bücher ausgeliehen werden. So bleibt das Bibliothekswesen nur ein weiteres Stiefkind der Hamburger Hochschulpolitik. Uli Mendgen
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