: „Ungleichverteilung von Gesundheit: Eine Pille hilft dagegen nicht“
Manuela Heim
Deutschland ist das erste EU-Land, in dem seit dieser Woche der Wirkstoff der Abnehmspritze Wegovy auch als Tablette erhältlich ist. Verschreibungspflichtig, in der Apotheke, für rund 200 Euro im Monat und in der Regel auf eigene Kosten. Mit der neuen Darreichungsform wird es vermeintlich unkomplizierter, starkes Übergewicht zu behandeln. Wenn dadurch mal nicht Grundlegendes überdeckt wird!
Foto: Wolfgang Borrs
Manuela Heim ist Redakteurin im Inlandsressort und schreibt über Gesundheitsthemen und soziale Gerechtigkeit.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Zugang zu einem gesunden Leben ungleich verteilt ist. Viele Kinder werden quasi ab der ersten Mahlzeit auf übermäßigen Zuckerkonsum und anderes gesundheitsschädliches Verhalten konditioniert. Eine Pille, die Jahrzehnte später die Folgen behandelt und vor allem Gutverdienenden vorbehalten ist, hilft dagegen genauso wenig wie die Mär von der freien Entscheidung zu ungesundem Verhalten. Auch die Abnehmpille verlagert die Konsequenzen gesellschaftlicher Fehlanreize auf den Einzelnen.
Was künftigen Generationen dagegen hilft: den gesunden Weg zum einfachsten zu machen. Aber schon die noch andauernde Debatte um die Zuckersteuer zeigt, wie schwer sich die Politik hierzulande damit tut.
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