Umsatz um 31 Prozent erhöht: Google-Gründer feiert Finanzkrise

Trotz Krise liefert der Online-Riese gute Zahlen. Gründer Brin sagt gar, Google mache in solchen Zeiten besonders gute Geschäfte. Doch die Firma spart verstärkt - auch an Mitarbeiter-Goodies.

"Am liebsten manage ich ein Unternehmen während eines Niedergangs": Google-Gründer Sergey Brin (rechts). Bild: dpa

BERLIN taz Eigentlich sieht es gut aus bei Google: Trotz Finanzkrise konnte der Online-Konzern einen Gewinnsprung von 26 Prozent und einen erhöhten Umsatz von 31 Prozent verbuchen. 1,35 Milliarden Dollar nahm das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View im vergangenen Quartal ein, 5,54 Milliarden Dollar wurden umgesetzt.

Der Börse gefiel das: Da die Ergebnisse die Erwartungen der Börsenanalysten deutlich übertrafen, ging es im nachbörslichen Handel um über 10 Prozent mit den Aktien herauf, nachdem zuvor bereits ein Plus von über 4 Prozent erzielt worden war. Firmengründer Sergey Brin ließ sich vor Journalisten gar zu der Aussage hinreißen, die Firma operiere besonders gut in Zeiten der Krise. "Am liebsten manage ich ein Unternehmen während eines Niedergangs. Das bringt mehr Klarheit darüber, was die Kunden brauchen und wo unsere Prioritäten liegen sollten", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Google hatte bereits in den letzten Jahren stets betont, man halte seine Firma für weitgehend krisenfest. Online-Werbung sei zwar konjunkturabhängig, doch suchten sich die Unternehmen in schlechten Zeiten besonders effiziente Reklameformen aus. Die biete Google mit seinen pro Klick zu bezahlenden Suchmaschinenanzeigen. Auch will der Konzern von Schnäppchenjägern profitieren, die in diesen Zeiten verstärkt zum Internet als Recherchemedium greifen, um die besten Preise zu ermitteln. Und dennoch gab sich Firmenboss Eric Schmidt in einer Telefonkonferenz vor Analysten eher wortkarg, was die Entwicklung der Werbeeinnahmen anbetrifft. Klar sei nur, dass die wirtschaftliche Situation weltweit schlimmer sei, als man dies vor einem Monat vorhergesagt hätte.

Hinzu kommt, dass Google derzeit dabei ist, neben der traditionellen Suchmaschinenreklame und Textanzeigen auf fremden Websites auch im Markt der so genannten "Display-Ads" mitzuspielen. Dabei handelt es sich um teils großflächige Werbebanner, die stärker der Imagevermittlung dienen denn der direkten Anbahnung des Verkaufsgeschäfts. In diesem Sektor dürften die Einnahmen in Krisenzeiten eher herunter gehen. Doch noch arbeitet Google hoch profitabel.

Bauchschmerzen macht dem Konzern allerdings der Aktienkurs. Trotz der Kursgewinne befindet sich das Papier von seinem 52-Wochen-Höchsstand von knapp 750 Dollar meilenweit entfernt. Aktuell notiert man bei nicht einmal der Hälfte. Der geringere Aktienkurs sorgt für einen geschrumpften Firmenwert und sorgt auch dafür, dass Mitarbeiter deutlich weniger von Aktienoptionen profitierten, die sie früher reihenweise zu Millionären machten.

Dass auch an anderer Stelle bei Google härtere Zeiten anbrechen, lässt sich mit einem einfachen Blick in die Cafetaria einer der Filialen des Online-Konzerns feststellen. Die dortige Gratis-Nahrung hoher Qualität gehört seit jeher zum Google-Mythos: Laut Schätzungen gibt das Unternehmen Jahr für Jahr fast 75 Millionen Dollar für die Versorgung seiner knapp 20.000 Mitarbeiter aus. Bionahrung, beste Rezepte und so genannte "Snackräume", in denen sich die Programmierer und Produktentwickler auch dann mit dem Nötigsten eindecken können, wenn eine der Küchen einmal geschlossen ist, sorgten jahrelang für gute Stimmung - auch wenn die kostenlose Versorgung vor allem dazu dienen sollte, die Arbeitsproduktivität zu steigern, weil kein Googler mehr das Firmengelände verlassen musste.

Doch ganz so verschwenderisch mit Essensprodukten will der Internet-Konzern nun nicht mehr umgehen. Im September sah sich Personalchef Laszlo Bock in einem Memo genötigt, den Mitarbeitern zu erklären, dass sie nur noch zwei Mal im Monat persönliche Gäste mit in die Gratis-Cafetaria nehmen dürften. Auch sei es verboten, Google-Futter zu bunkern, also sich etwa vor dem Wochenende besonders intensiv zu bedienen. "Fertiges Essen in Containern ist nur für Leute bestimmt, die auf dem Google-Gelände Überschichten fahren", schrieb Bock laut dem IT-Klatschportal "Valleywag". Künftig müssten alle Gäste darüber hinaus spezielle Ausweise tragen, auf denen "MEAL" stehe, damit Cafetaria-Mitarbeiter sie als nahrungsberechtigt identifizieren können.

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