Überraschungsbesuch in Nordkorea: Bill Clinton auf Achse des Bösen

In Pjöngjang bemüht sich der Ex-US-Präsident um die Freilassung zweier inhaftierter US-Journalistinnen. Erhofft wird aber auch eine Wiederbelebung der abgebrochenen Atom-Gespräche.

Bill Clinton bei der Ankunft in Pjöngjang. Kann er mit den Nordkoreanern gut Kirschen essen? Bild: rtr

PEKING taz | Um zwölf Uhr Mittag landete am Dienstag ein Überraschungsgast auf dem Flughafen von Pjöngjang: der frühere US-Präsident Bill Clinton, Ehemann der heutigen Außenministerin Hillary. Kaum ein Nordkoreaner hätte bis dahin wohl zu träumen gewagt, einen so berühmten - und ehemals mächtigen - Amerikaner in der Hauptstadt zu empfangen. Denn das politische Klima zwischen beiden Staaten ist seit Monaten frostig.

Nun aber gab es Blumen: Zwei hohe nordkoreanische Politiker, Vizeparlamentschef Yang Hyong Sop und Vizeaußenminister Kim Kye Gwan, der für die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm Pjöngjangs zuständig ist, empfingen den Besucher auf dem Rollfeld. Am Abend traf Clinton auch mit Nordkoreas Herrscher Kim Jong-Il zusammen und überbrachte eine mündliche Botschaft von US-Präsident Barak Obama.

Zwar hielten sich beide Seiten über die Absicht der Reise bedeckt. Doch es war klar: Clinton will über die Freilassung von zwei US-Journalistinnen verhandeln, die im März dieses Jahres in nordkoreanische Gefangenschaft geraten waren, als sie einen Film über nordkoreanische Flüchtlinge drehten. Im Juli hatte der Oberste Gerichtshof Laura Ling und ihre Kollegin Euna Lee zu zwölf Jahren "Umerziehung durch Arbeit" verurteilt.

Clintons Reise kommt zu einer Zeit, in der die zähen Verhandlungen über ein Ende des Atomprogramms der Nordkoreaner offenbar gescheitert sind. Im Mai hatten Nordkoreas Militärs ihren zweiten Atomsprengsatz getestet und Raketen abgefeuert. Die UNO hatte Sanktionen gegen Nordkorea verschärft.

Die Verhandlungen über die Journalistinnen könnten als Vorwand und Hebel dienen, einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden. Clinton hat in Pjöngjang einen guten Ruf: Er hatte als Präsident die damalige Außenministerin Madeleine Albright im Jahr 2000 nach Pjöngjang geschickt.Unter seinem Nachfolger George W. Bush herrschte bald wieder Eiszeit. Für jene Bewohner Pjöngjangs, die sich ein freieres Leben und Öffnung zum Ausland wünschen, dürfte der Besuch Hoffnungen wecken. "Die Nordkoreaner sind glücklich!", sagte ein Anwohner gestern, als sich die Nachricht verbreitete.

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