U2-Werbeaktion von Apple

Eine Rockband, die klebt

Auf einmal war das neue U2-Album auf den Geräten von Millionen Apple-Kunden. Viele wollten es aber gar nicht haben. Nun reagiert der Konzern.

Lässt nicht mehr los: U2-Sänger Bono. Bild: reuters

„Ein großer Moment der Musikgeschichte. Und du bist mit dabei“, steht auf der Apple-Webseite. Der Konzern hat das neue U2-Album „Songs of Innocence“ an über 500 Millionen iTunes-Kunden weltweit verschenkt. „Noch nie hatten so viele Menschen ein Album“, heißt es auf der Seite.

Womit Apple offenbar nicht gerechnet hat, ist, dass auch noch nie so viele Menschen ein Album gar nicht erst besitzen wollten. An der Band liegt das wohl nicht, sondern an der Art und Weise der Geschenkübergabe: Die elf Songtitel haben sich bei vielen Nutzern automatisch auf die Endgeräte geschummelt. Nun lässt der Mob seinem Unmut freien Lauf. Seit Tagen rumort das Netz: „Wer ist U2? Und warum zum Teufel sind die auf meinem iPhone?“

Die Werbeaktion sollte neue Nutzer generieren und Apple als „Big Spender“ auftreten lassen. Dem Konzern wurden nun mit Nachdruck die Grenzen aufgezeigt, denn viele Nutzer fühlen sich in ihrer Selbstbestimmung verletzt. Zu allem Überdruss wird man das U2-Album oft gar nicht mehr los, da es sich nicht einfach löschen lässt. Wer auf seinem iPhone oder iPad die iTunes-Funktion „Automatischer Download“ aktiviert hat, die sicherstellt, dass die persönlichen Einkäufe auf allen Geräten verfügbar sind, hat dieses Problem gleich mehrmals.

Apple musste wohl oder übel reagieren und hat eine offizielle Seite eingerichtet, mit deren Hilfe „Songs of Innocence“ per Knopfdruck aus der Musikbibliothek verschwinden soll. Dazu braucht es theoretisch nur die Apple-ID und das dazugehörige Passwort, dann sollte man geräteübergreifend erlöst sein.

Theoretisch. Denn in der Praxis ist die Rockband einfach nicht abzuschütteln. Wenn das Album schon auf die Endgeräte geladen wurde, muss es auf iPhone oder iPad immer noch manuell gelöscht werden (Interpreten und Album aufrufen, jeden Track einzeln nach links wischen und es erscheint der Löschen-Button).

Sänger Bono spricht von Blut, Schweiß und Tränen

Guy Oseary, Manager von U2, erklärte am Montag gegenüber dem Online-Magazin Mashable, er habe mit der Ablehnung gerechnet. Trotzdem habe man das Album mit so vielen Menschen wie möglich teilen wollen. „Wenn ihr es nicht wollt und nicht braucht, löscht es“.

Das lässt sich für Oseary leicht sagen, denn der Deal mit Apple ist bereits besiegelt. Welche Summe dabei geflossen ist, wird nicht verraten. Nicht ganz so leicht nimmt es allerdings Sänger Bono. Er schrieb vergangene Woche auf der U2-Homepage: „Für diejenigen, die kein Interesse haben – seht es so: Blut, Schweiß und Tränen eines irischen Typen sind in eurem Spamordner.“

Den Künstler, der grundsätzlich ein Gegner der Gratiskultur ist, wird diese Aktion zumindest ein Zähneknirschen gekostet haben. Und nun muss er sich auch noch damit befassen, dass es da draußen Menschen gibt, die seine Musik nicht einmal geschenkt haben wollen. Viele von den jüngeren Leuten wissen gar nicht, wer U2 ist.

Schlaflose Nächte wird ihm das trotzdem nicht bescheren. Bono ist Millionär, wenn nicht Milliardär – nicht zuletzt dank seiner Anteile bei Facebook. Und er ist Frontmann einer seit dreißig Jahren erfolgreichen Rockband. Was stört es also die Eiche, wenn die Wildsau sich an ihr wetzt.

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