Typologie der Bäuche: Ein jeder hat seine Fasson

Fast ein Drittel der Deutschen hat in der Coronazeit zugenommen. Statistisch ist jede zweite Person unglücklich mit ihrem Bauch. Eine Sachkunde.

Frau kneift sich in Hüftspeck

Von wegen Problemzone Foto: Paul von Strohheim/imago

Der Stressbauch

Bauchschmerzen, Verstopfung, Übelkeit. Bei Aufregung und Stress leidet unser Bauch mit. Wir vergessen Mahlzeiten oder schlingen sie hinunter. Der Bauch bläht sich auf (siehe Blähbauch). Bei Stress schüttet der Körper außerdem Kortisol aus. Das Hormon hemmt den Appetit, damit der gestresste Körper sich nicht noch um die Verdauung kümmern muss. Und weil er trotzdem Energie braucht, erhöht es den Blutzucker und lässt das viszerale Fett im Bauch wachsen. Stress führt also auch zu Fett (siehe Fettbauch).

„Der Stressbauch ist ein gutes Beispiel dafür, dass am Bauch immer auch gesamtgesellschaftliche Themen verhandelt werden“, sagt Kulturwissenschaftlerin Tina Ebbing. Sie hat ein Buch über den Bauch geschrieben. „Vielleicht war schon der Fettbauch vor 75 Jahren ein Stressbauch, aber erst in den letzten Jahren werden Stress und seine Auswirkungen auf den Körper in unserer Gesellschaft thematisiert.“ Es verwundert kaum, dass genau die Dinge gegen den Stressbauch helfen, die heute angesagt sind: Achtsamkeit, Entspannung und Yoga.

Der Blähbauch

Wenn die Luft im Bauch nicht entweichen kann, bläht sich ein flacher Bauch im Laufe des Tages zu einem steinharten Ballon auf. Beim Draufklopfen klingt er hohl.

Das kann an Stress liegen. Lebensmittelunverträglichkeiten. Erkrankungen. Ein Reizdarmsyndrom etwa, bei dem die Funktionsfähigkeit des Darms eingeschränkt ist. Und: an ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Nüsse, Getreide und Hülsenfrüchte. Ihre Ballaststoffe verdauen wir nicht selbst, das tun die Bakterien in unserem Darm für uns. Dabei entstehen Gase, die in Form von Pupsen den Körper verlassen oder den Bauch aufblähen. Wie ein Hefeteig quasi.

„Auf welches Nahrungsmittel die einzelne Person stärker oder schwächer reagiert, ist sehr verschieden und hängt von der individuellen Zusammensetzung des Darmmikrobioms ab. Ein Patentrezept für alle gibt es nicht“, sagt Ernährungsmediziner Stefan Kabisch. Er rät, mit der Ernährung zu experimentieren, jedoch niemals auf Ballaststoffe zu verzichten. Sie helfen bei der Verdauung und reduzieren das Risiko für Krebs und Diabetes.

Der Fettbauch

Mal ragt er prall hervor. Mal hängt eine Wulst auf die nächste fallend herunter. Das Prachtexemplar unter den Bäuchen trägt kolossale Namen wie Plauze, Fass, Ranzen, Trommel, Wampe oder Schwarte.

Grund für den riesigen Bauchumfang ist Fett. Nicht ungefährliches subkutanes Fett unter der Haut (siehe Rettungsring). Sondern viszerales Fett, das sich in Form von Fettdepots um die Organe legt und den Bauchraum ausfüllt. Menschen, die sich von viel Zucker, Weißmehl, Milch und Fleisch ernähren, haben davon besonders viel. Der Körper weiß nicht wohin mit der überschüssigen Energie und produziert immer mehr Fett, das sich bei mangelnder Bewegung weiter ansammelt.

Ab einem Bauchumfang von 88 Zentimetern bei Frauen und 102 Zentimetern bei Männern ist der Anteil des viszeralen Fetts, laut Weltgesundheitsorganisation, gefährlich hoch. Denn es ist aktiv wie ein Organ und produziert eifrig entzündungsfördernde Botenstoffe. So ist das viszerale Fett längst kein Notfalllager für schlechte Zeiten mehr, sondern fordert das Immunsystem heraus und kann Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkte auslösen.

Was ungesund ist, muss deshalb aber nicht gesellschaftlich verpönt sein. Im Deutschland des 17. Jahrhunderts, Zeitalter des prunkvollen Barock, stand ein dicker Bauch für Lebensgenuss. Wer so vermögend war, es sich gut gehen zu lassen, trug stolz einen Bauch vor sich her.

Ab dem 19. Jahrhundert fiel der gleiche Bauch in Ungnade. Als Kartoffelbauch repräsentierte er eine einseitige Ernährung. Als Kummerspeck das Essen und Trinken aus Sorge. Im Ersten Weltkrieg, wo der Tod allgegenwärtig war, gab man ihm Namen wie Kotelettfriedhof oder Grabhügel.

Erst in den 50er Jahren, dem Jahrzehnt des deutschen Wirtschaftswunders, wurde er wieder zum erstrebenswerten Statussymbol. Er stand für Erneuerung und Aufschwung. Man hatte es wieder zu etwas gebracht. Und das durfte sich am Bauch zeigen. Erst mit der neoliberalen Wende in den 80er Jahren verblasste der bewundernde Blick auf den Fettbauch wieder. Aus dem positiv konnotierten Wohlstandsbäuchlein wird das, was als Zeichen für die Unfähigkeit der Person gelesen wird, sich unter Kontrolle zu haben. „Die Körperform hat nichts mit realer Leistungsfähigkeit zu tun“, sagt Soziologie Thomas Alkemeyer. Wie hätte sonst Gewichtheber Matthias Steiner mit ganzen 150 Kilo* die Olympischen Spiele, die Europa- und die Weltmeisterschaft gewinnen können? Krankheiten, Gene, Süchte, Leben in einer Überflussgesellschaft – es gibt viele Gründe dafür, wie ein Körper aussieht. „Dennoch werden am Aussehen des Körpers Leistungsfähigkeit und soziale Unterschiede festgemacht“, bedauert Alkemeyer. „Dicken Körpern wird zugeschrieben, nicht fit zu sein, und sie gelten oft als ein Anzeichen dafür, ‚unten‘ in der gesellschaftlichen Hierarchie zu stehen.“

Der Bierbauch

„Bier formte diesen Körper“, steht auf dem T-Shirt, unter dem sich eine runde Bauchkugel spannt. Der Bierbauch ist nichts anderes als ein Fettbauch (siehe Fettbauch), der durch enorme Kalorienzufuhr – Alkohol – entsteht. Während auf den einen hingegen mit dem Zeigefinger gedeutet würde, werden am Bierbauch das Lustvolle und der Normverstoß zelebriert.

Mann hält sich eine Bierflasche vor den gewölbten Bauch

Bier und Bauch Foto: Moe/plainpicture

„Der dicke Bauch kann von außen betrachtet auch als Provokation gesehen werden. Wir erwarten, dass die Menschen ihren aus der Form geratenen Bauch verstecken, nicht so viel Raum mit ihm einnehmen. Im Gegenzug kann das auch eine Chance sein, den nichtperfekten Körper zu emanzipieren“, sagt Tina Ebbing. Ohne Scham, vielleicht mit einem kleinen Zwinkern, wird in verschiedenen Regionen in Bayern jährlich der schönste Bierbauch gekürt.

Der Waschbrettbauch

Der Porsche unter den Bäuchen hat es geschafft. Die vollkommene Beherrschung des Körpers tritt mit jedem hart definierten Muskel hervor. Sechs oder acht an der Zahl. Six- oder Eightpack. Die Assoziation zum Bier bleibt. Doch der Bierbauch ist bezwungen. Wie schnell dieser Idealzustand des Bauchs erreicht werden kann, hängt von der individuellen Konstitution ab. Doch Training allein genügt nicht. Auch der Fettanteil, vor allem das viszerale Fett, muss reduziert werden.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Zunächst Accessoire der Athleten und Soldaten, hielt der Waschbrettbauch Einzug ins bürgerliche Leben. Während in der Industrialisierung die Bevölkerung von außen zu maximal produktiven Körpern diszipliniert worden war, der Philosoph Michel Foucault nennt das „Biopolitik“, vollzog sich diese Maximierung im Neoliberalismus von innen. Auf einmal konditionierte sich die Bevölkerung von selbst. Es war nichts Besonderes mehr, keine körperliche Arbeit tun zu müssen, ein genussvolles Leben zu pflegen und es als Bauch vor sich her zu tragen (siehe Fettbauch). Wer es sich jetzt leisten konnte, zelebrierte die an die Maschinen verloren gegangene Körperkraft im Sport und investierte Geld und Zeit in einen Körper, der zeigen sollte, wie leistungsfähig man war und wie gut man sich auf dem Markt durchsetzen konnte. Ultimativer Demonstrator dafür: der Waschbrettbauch.

Bis heute ist der neoliberale Kapitalismus auf Subjekte angewiesen, die ihren Körper als Kapital ihrer Leistungsfähigkeit fit und gesund halten. „Wir wollen vor anderen nicht undiszipliniert erscheinen, als Menschen, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen. Also versuchen wir, ein möglichst vorteilhaftes Bild von uns vor anderen, aber auch vor uns selbst abzugeben“, beschreibt Soziologe Thomas Alkemeyer. „Wir bezwingen den Bauch, um nicht schwach und willenlos zu erscheinen.“

Die Übertreibung und Perfektionierung des muskulösen Bauchs in den letzten zwanzig Jahren hat den Waschbrettbauch als Wohlstandsbauch jedoch auch schon wieder in Verruf gebracht. „Sich nur mit seinen eigenen Bauchmuskeln zu beschäftigen, ist auch Ausdruck für Selbstbezogenheit. Der Hang zu Narzissmus liegt nahe“, so der Soziologe. Ein aufgepumpter, bodygebuildeter Körper ist kein Potenzial für Anerkennung mehr, sondern mehr ein Attribut des Angebers und Machos. Der bürgerliche Körper ist deshalb schlank, trainiert und fit. Wie er sich wohl weiter verändern wird, jetzt, wo Historiker Rutger Bregman in der Coronakrise das Ende des Neoliberalismus sieht?

Der Rettungsring

Wie Eichhörnchen vorm Wintereinbruch legt unser Körper Reserven für schlechtere Zeiten an. Nicht benötigte Energie aus der Nahrung, Zucker von Süßigkeiten zum Beispiel, lagert er als Fett ein. In einem kleinen Pölsterchen unterhalb, manchmal auch oberhalb der Taille. Es liegt direkt unter der Haut und lässt sich gut greifen. Dieses subkutane Fett ist ungefährlich, es schützt uns sogar. Seine weiche Schicht bewahrt unseren Körper vor Auskühlung und die Organe vor Stößen und Erschütterungen. Und wird der kleine Energiespeicher nicht zu groß, hilft er dem Immunsystem, Krankheiten wegzustecken. Dafür ist allerdings auch Bewegung sehr wichtig, die der Körper mit Rettungsring vermisst.

Das Bäuchlein

Ein flacher Oberbauch. Darunter eine kleine weiche Kugel. Die Verniedlichungsform verrät: Das ist noch kein ganzer Bauch. Nur ein ganz kleiner und deshalb okay. Sogar Barbie, gemeinhin nicht für ihr positives Körperbild bekannt, bekam 2016 einen verpasst. Er ist keine Folge von mangelnder Bewegung. Er ist auch nicht gefährlich. Seine Trägerin hat eher einen stressigen Alltag, eine falsche Körperhaltung und nascht eben mal gerne (siehe Rettungsring).

Vor allem aber ist das Bäuchlein sexy. Ein Coussin d’amour, ein Liebeskissen, wie es in Frankreich heißt. Schon in der Renaissance stand es für Fruchtbarkeit, weil es an eine Schwangerschaft erinnerte. Doch nicht zu früh gefreut. Das Bäuchlein darf in seiner Natürlichkeit und Weichheit nur an den Normen kratzen, solange es straff seine Form behält und nicht herabhängt.

Der Schwangerschaftsbauch

Weil der Fötus in ihm mehr Platz braucht, beginnt der Bauch im Laufe des vierten Schwangerschaftsmonats zu wachsen. Dank der Schwangerschaftshormone wird das Bauchgewebe weich und kann sich weiten. Aber nicht ins Unendliche. Der Fötus verdrängt die Organe in den Oberbauch, was ihnen zum Glück nicht viel ausmacht, wie Viszeralchirurg Shueb Mussa versichert, der schon viele Bäuche von innen gesehen hat. Höchstens der Magen ist gegen Ende der Schwangerschaft manchmal bedrückt, was zu Sodbrennen führt.

Nach der Geburt hängt der zuvor prall gewölbte Bauch schlaff herunter. Als sogenannte Fettschürze aus überschüssiger Haut. Es dauert, bis er wieder seine alte Größe erreicht hat.

Während der schwangere Bauch stolz präsentiert werden darf, ist der Bauch nach der Schwangerschaft nirgendwo zu sehen. Der Bauch muss schnellstmöglich seine ursprüngliche Form zurückerlangen, um wieder vorzeigbar zu sein. Als wäre der Bauch genau für die vom Fötus benötigte Zeit dessen Brutkasten, völlig entkoppelt vom Körper der Schwangeren. Kein Wunder, dass noch Debatten darüber geführt werden, wer über diesen Bauch und den darin wachsenden Fötus bestimmen darf: die, um deren Bauch es geht, oder das Gesetz.

Der Waschbärbauch

Behaart, rundlich und weich soll es der Waschbär mit dem stählernen Waschbrett aufnehmen. Wie bei seinem weiblichen Äquivalent, dem Bäuchlein, gilt: „Er ist eine Kunst an sich, muss genau das richtige Maß an kuschelig, gemütlich und niedlich treffen“, beschreibt Tina Ebbing.

Genau dann steht er für den modernen Mann, der sich nicht mehr auf den eigenen Körper beschränkt und gestellt durch die Gegend läuft, sondern flexibel ist. Der seine Freizeit nicht schwitzend im Fitnessstudio, sondern spielend mit seinen Kindern verbringt. Der Kosename dieses Bauchs ist deshalb „Dad Bod“, am ehesten zu übersetzen als „Vaterkörper“. Er repräsentiert eine Art intellektuelle Gegenkultur zum allgegenwärtigen Fitnesswahn, in der auch wieder genossen werden darf (siehe Fettbauch). Irgendwie ein neuer Wohlstandsbauch. Aber gezügelt.

Der Hohlbauch

Baucheinziehen, sodass der Bauch ausgehöhlt aussieht? Leider auch nicht der Weg zum perfekten Bauch. „Ein eingefallener Bauch ist nicht das Ideal. Er wirkt krank. Es muss schon die goldene Mitte sein“, sagt Kulturwissenschaftlerin Tina Ebbing. Abhilfe versprechen Operationen, die Viszeralchirurg*innen wie Shueb Mussa durchführen. Dabei stellen sie erschlafftes Bindegewebe oder auseinandergegangene Bauchmuskeln kosmetisch wieder her. Zum Beispiel nach Schwangerschaften.

Die Wespentaille

Was wir heutzutage von BDSM-Praktiken und Kostümfilmen kennen, hat jahrhundertelang Frauen und manchem Mann Luft und Bauch abgeschnürt: Korsetts. Zuerst gaben sie Halt, wo der Körper nicht selbst trug. Am Bauch. Aber ab den 1820er Jahren galt ein Bauch als unschick und musste verdrängt werden. Der Taillenumfang durfte nicht mehr als 43 bis 53 Zentimeter messen. Anfang des 20. Jahrhunderts dann gar nichts mehr. Sogenannte Sans-Ventre-Korsetts, Ohne-Bauch-Korsetts, pressten den Körper in eine S-Form: eine nach vorne gebeugte Brust, ein bauchloses Hohlkreuz und nach hinten gedrückten Hüften.

Die Organe im Bauch sind zwar flexibel und halten viel aus, doch die Schädigungen des Körpers durch die Korsetts waren enorm. Muskeln wurden geschwächt, die Körperhaltung verformt, Bewegung und Körperfunktionen eingeschränkt. Obwohl viele Mediziner*innen und Frauenrechtler*innen für die Abschaffung des Korsetts plädierten, dauerte es damit bis zum Ersten Weltkrieg. Gründe dafür waren weniger feministischer als pragmatischer Art. Die Frauen sollten sich in ihrer plötzlich aus der Not aufkommenden Berufstätigkeit bewegen können und intakte, gesunde Körper für Mutterschaft und Familie bieten. Von da an mussten die Körper selbst in Form gebracht werden. Mithilfe von Diäten.

„Es ist immer ein Aushandeln des Verhältnisses zwischen Körper und Außenwelt. Wie weit darf ich meinen Körper für Fremdkörper öffnen, ohne dass der Bauch aus der Form gerät, von sich aus in die Welt hinausragt und uns so als schwach und nicht perfekt verrät?“, erklärt Ebbing. Der Bauch muss sich deshalb normkonform verhalten und gebändigt werden, wenn er das nicht tut. Man aß Seife. Entschlackte. Fraß die Hälfte. Auch heute noch finden sich unzählige Tipps, um den Bauch loszuwerden. Und so manch hochsitzende enge Hose wirft Zweifel auf, inwiefern wir das Zeitalter des Einschneidens von Atmung und Bewegungsfreiheit hinter uns gelassen haben.

Die DIN-A4-Hüfte und Bikini-Brücke

Eine Filterblase allein mit Bildern ihrer Bäuche. Was passiert? Es schaukelt sich hoch, und schon kulminiert die Optimierung des Bauchs in Wettbewerben um den allerdünnsten. 2012 #bikinibridge: ein Bauch so flach, dass die Bikinihose ihn im Liegen nicht berührt. 2015 #bellybutton: ein Arm reicht um den Rücken herum bis zum Bauchnabel. 2016 #paperwaist: eine Taille so schmal wie ein DIN-A4-Papier.

Soziologe Thomas Alkemeyer sieht diesen Ideal­bildern auf Instagram und Co. mit großer Sorge entgegen. „Wir erleben seit Jahrzehnten, dass unsere Kultur zunehmend visuell wird, dass sie sich immer stärker an Bildern und Sichtbarkeit ausrichtet. Idealbilder des Selbst, die perfekter sind als wir, werden zum Maßstab, an dem wir uns und andere beurteilen.“ Folgen sind enormes Leid und Krankheiten wie Magersucht.

Der falsche Bauch

Wenn der eigene Bauch nicht zum Vorzeigen reichte, griff der Mann der frühen Neuzeit zum Gänsebauch. Das mit Baumwolle und Pferdehaar ausgestopfte Wams reichte vom Hals bis zum Gürtel hinab und verlieh dem Träger eine stattliche Kugel. Damit ließ sich ein Wohlstandsbauch imitieren, der Männlichkeit und Macht symbolisierte und auch Schutz bot. Von gestern? Heute werden Silikonimplantate in die Bauchmuskulatur eingesetzt, die einen perfekten Sixpack versprechen. Ganz ohne Training.

* Korrektur: Ursprünglich stand an obiger Stelle, dass Steiners Gewicht eine Folge seines Diabetes gewesen sei. Das trifft nicht zu. Übergewicht tritt häufig zusammen mit Diabetes 2 auf, Matthias Steiner aber hat Diabetes 1, eine Autoimmunerkrankung.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

wir pausieren vorübergehend die Kommentarfunktion: Wir freuen uns darauf, bald wieder von Euch zu hören.

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Bis dahin wünschen wir Euch eine gute Zeit!
Eure taz