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Tuntenspringprozession im Nieselregen

■ „Walk for life“ sammelt mit Solidaritätsspaziergang Geld für das geplante Aids-Hospiz „Lighthouse“ / Nur die Zuhälter waren nicht spendenfreudig

Wer geht schon am Sonntag nachmittag bei Dauerregen spazieren? Rund 100 Unverzagte ließen sich gestern trotz schlechten Wetters nicht davon abhalten, gemeinsam von Kreuzberg bis zum Tempodrom zu wandern. Ihr Ziel: beim „Walk for life“ möglichst viel Geld für das „Lighthouse“, ein geplantes Aids-Hospiz, zu sammeln.

Die Spaziergänger hatten sich vorher möglichst viele Sponsoren gesucht, die ihnen für die Teilnahme ein Startgeld zahlen. „Ich habe bei mir im Haus gesammelt und bei meiner Familie“, erzählt die fünfzehnjährige Janine. 13 Leute hat sie zum Spenden überredet. „Ich war noch nie auf einer Demo, da wollte ich so was mal machen. Außerdem finde ich das Projekt Lighthouse gut“, meint sie. Vier ihrer Freundinnen sind ebenfalls dabei. Sie haben in der Schülerversammlung von der Aktion gehört. „Zuerst waren alle begeistert, aber außer uns hat dann doch niemand mitgemacht“, ärgert sich Janine über die Schlaffheit ihrer Mitschüler.

Die meisten haben es wie Janine gemacht und sich Unterstützer im Bekanntenkreis gesucht. Peter, der mit seiner Sportgruppe für HIV-Positive gekommen ist, war mutiger. Er hat in der Lietzenburger Straße sein Glück versucht. „Ich habe mich in einem Puff an der Eingangskontrolle vorbeigemogelt und habe den Frauen gesagt: ,Aids gibt's überall.‘ Aber da kamen sofort die Zuhälter und haben mich rausgeschmissen“, erzählt er von seinen Erfahrungen bei der Sponsorensuche. In Cafés und Kneipen war er erfolgreicher. „Das ist nicht viel, was ich hier machen kann. Aber es ist wichtig, daß HIV-positive Menschen einen Treffpunkt wie das Lighthouse bekommen“, findet Peter.

Auch Bane ist deshalb gekommen. Er wohnt direkt neben der Victoria-Klinik, in die das Lighthouse einziehen soll. „Daß das Haus schon so lange leer steht, ist eine Riesensauerei“, schimpft er.

Ebenso geht es den Initiatoren des „Walk for life“. „Das Konzept für das Lighthouse ist schon fertig ausgearbeitet. Das ist eine politische Entscheidung, daß noch nichts passiert ist. Wir wollen mit solchen Aktionen wie heute für mehr Öffentlichkeit sorgen“, erläutert Karl Schröder von „big spender berlin“ die Intention für den Spaziergang. Die Pläne für das Lighthouse sehen vor, in dem Projekt medizinische und soziale Betreuung für HIV-positive Menschen einzurichten. In der Victoria-Klinik könnten fünfzig Leute wohnen, die auch im Endstadium der Krankheit betreut werden sollen.

Damit der Spaziergang bei Regen und politischem Frust nicht in Trostlosigkeit versinkt, hat sich Catherine in Schale geschmissen. In Nerzjäckchen, schwarzem Kleid und gewagt hohen Schuhen führt sie eine Tuntenspringprozession vor. Was das ist? „Eine mittelalterliche Tradition zur Teufelsaustreibung. Aber ich springe gegen böse Gedanken und für das Leben.“ Gesa Schulz

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