Trotz Dax-Talfahrt: VW-Aktie auf Höhenflug

Die VW-Aktie explodiert. Die Übernahmepläne von Porsche sind nur ein Grund: Vor allem haben sich viele Spekulanten verkalkuliert. Analysten halten die VW-Aktie für völlig überbewertet.

Alle anderen Werte verlieren: Nur das VW-Papier schießt nach oben. Bild: dpa

BERLIN taz Einen derart rasanten Kursanstieg haben auch erfahrene Börsianer noch nie gesehen: Am Montag hat sich der Wert der VW-Aktie zwischendurch verdreifacht - rund 146 Prozent betrug das Kursplus dann bei Börsenschluss. 520 Euro kostet die VW-Aktie jetzt. Damit ist der Autobauer grotesk überbewertet. Analysten rechneten bereits vor, dass VW an der Börse jetzt mit rund 190 Milliarden Euro veranschlagt wird. Das ist mehr als die fünf nächstschweren DAX-Werte Eon, Deutsche Telekom, Siemens, SAP und Bayer zusammengenommen.

Diese VW-Kursrallye haben offenbar die Neuigkeiten von Porsche ausgelöst: Der Hersteller von Luxuskarossen hatte am Sonntag angekündigt, dass er 42,6 Prozent an Volkswagen halte. Bei weiteren 31,5 Prozent verfüge man über Optionen - womit gemeint ist, dass Porsche diese Aktien künftig zu einem bereits festgelegten Kurs erwerben kann.

Damit fehlen also nur noch wenige Aktien, um das angekündigte Fernziel zu erreichen: Im kommenden Jahr will Porsche seine VW-Anteile auf 75 Prozent aufstocken, um langfristig zum faktischen Alleinherrscher in Wolfsburg aufzusteigen. Die restlichen Aktien gehören vor allem dem Land Niedersachsen, das 20,2 Prozent am Wolfsburger Autokonzern hält.

Das bedeutet: Momentan sind überhaupt nur noch 5,9 Prozent der VW-Aktien als echter Streubesitz verfügbar. Und auf dieses knappe Gut stürzen sich nun die Anleger, was die Kurse so rasant nach oben treibt.

Vor allem eine Gruppe von Spekulanten hat dringenden Handlungsbedarf: Es sind jene Anleger, die mit sogenannten Leerverkäufen auf einen sinkenden VW-Kurs gesetzt haben. Bei Leerverkäufen leiht sich ein Spekulant eine Aktie, um sie sofort an der Börse weiterzuverkaufen. Wenn die Leihfrist vorüber ist, kauft er die Aktie zurück - und hofft, dass der Kurs inzwischen gefallen ist. Die Differenz ist dann der Gewinn. Der Charme: Bei dieser Art von Spekulation muss fast gar kein Eigenkapital eingesetzt werden; es fällt nur die Leihgebühr für die Aktie an. Der Gewinn ist also maximal "gehebelt" - die Verluste sind es allerdings auch, wie die VW-Leerverkäufer jetzt erleben müssen. Sie werden von explodierenden Kursen kalt erwischt und versuchen, die VW-Aktie so schnell wie möglich zurückzukaufen - womit sie die Kurse noch weiter nach oben treiben. An den Börsen kursiert das Gerücht, dass etwa 15 Prozent der VW-Stammaktien für solche Leerverkäufe ausgeliehen worden seien.

Völlig grundlos war es nicht, dass viele Spekulanten auf eine sinkende VW-Aktie gewettet hatten: Das Papier gilt schon länger als komplett überbewertet, denn Experten halten bereits 150 Euro für üppig, wenn man sich die eher trübe Geschäftslage von VW ansieht.

Die VW-Aktie war übrigens das einzige Papier im Plus. Alle anderen Kurse stürzten ins Minus. Ohne VW hätte der DAX etwa 9 Prozent verloren. So ging er mit einem Plus von 0,9 Prozent aus dem Handel.

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