Tibetische Proteste in Sichuan: Tränengas und Schüsse

In der Provinz Sichuan sterben nicht überprüfbaren Berichten zufolge bis zu drei Tibeter bei antichinesischen Demos. Hintergrund der Proteste sind Selbstverbrennungen.

Protestaktion in Südkorea gegen die Tibet-Politik der chinesischen Regierung. Bild: reuters

PEKING taz | Das Jahr des Drachen beginnt mit tibetischen Protesten: Laut tibetischen Exilorganisationen setzte die Polizei am Montag in der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas Tränengas gegen Tibeter ein, die gegen die Politik der chinesischen Regierung demonstrierten. Zuvor waren laut Augenzeugen drei Menschen von Sicherheitskräften im Ort Luhuo (Tibetisch: Drango oder Draggo) erschossen worden.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte lediglich den Tod eines Demonstranten. Fünf Beamte seien bei Zusammenstößen mit Demonstranten verletzt worden. Eine Menge habe eine Polizeistation mit Knüppeln und Steinen angegriffen. Andere Berichte sprachen von über 30 Verletzten.

Hintergrund der Unruhen sind Selbstverbrennungen von tibetischen Mönchen, Nonnen oder ehemaligen Geistlichen. Seit 2009 sollen sich in Sichuan und der Nachbarprovinz Gansu insgesamt 17 Männer und Frauen angezündet haben. Die meisten starben, soweit bekannt, bei den Suizidaktionen.

Die Anwohner dieser an Tibet grenzenden Regionen protestieren vor allem gegen scharfe Kontrollen der Polizei in tibetischen Klöstern und Siedlungen. Aus dem Kloster Kirti in der Region Aba, einem Zentrum des tibetischen Buddhismus, seien in den vergangenen Monaten Mönche verschleppt worden.

Angespannte Lage

Zivilpolizisten und Beamte seien in das Kloster gezogen, um die Mönche besser überwachen zu können. Auch in anderen Klöstern sei die Situation sehr angespannt. In sogenannten patriotischen Schulungen seien Tibeter gezwungen worden, den im Exil lebenden Dalai Lama zu denunzieren.

Die Lage spitzte sich offenbar zu, als Tausende dem Aufruf folgten, die traditionellen Feiern zum chinesischen Neujahr wegen der Selbstmorde zu boykottieren. Das neue Jahr begann Montag. Laut Radio Free Asia und Xinhua haben Tibeter bei den Unruhen auch Geschäfte von Han-Chinesen angegriffen.

Regierungssprecher Hong Lei warf gestern in Peking den Exilgruppen vor, Chinas Regierung mit ihren Berichten über die Vorgänge in Aba (Tibetisch: Ngaba) diskreditieren zu wollen. "Derzeit ist wieder Ordnung im Kreis Luhuo eingekehrt. Die Behörden sind dabei, den Vorfall zu untersuchen", erklärte er.

Chinas Regierung werde "resolut dafür sorgen, die normale soziale Ordnung wiederherzustellen". Berichte aus der für Ausländer gesperrten Region können nicht unabhängig überprüft werden.

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