: Taubblinde Berliner »lesen« Tageszeitung
■ Für Taubblinde gibt es das Tagesnachrichten-Blatt, herausgegeben vom Deutschen Blindenverband
Berlin. Morgens eine Tageszeitung im Briefkasten zu haben — und sie auch lesen zu können —, das ist für die meisten Berliner eine Selbstverständlichkeit. In fünf Briefkästen der Hauptstadt landet täglich eine ganz außergewöhnliche Zeitung: das Tagesnachrichten-Blatt für Taubblinde, herausgegeben vom Deutschen Blindenverband (DBV). Geschrieben ist es für Menschen, die ihre Umwelt nur mit dem Geruchs- und dem Tastsinn wahrnehmen können. Zehn bis zwölf Punktschriftseiten stark ist das Blatt, das die Taubblinden »unter die Finger« bekommen und für sie fast das einzige Tor zur Welt darstellt.
Radio hören, Fernsehen, Bücher oder Zeitungen lesen, Neuigkeiten im Gespräch aufschnappen — all das ist den Taubblinden verwehrt. Doch auch sie wollen teilhaben am Weltgeschehen, weiß Thomas Nicolai von der Außenstelle des Deutschen Blindenverbandes in Berlin. Aus diesem Grund hat der Verband vor rund drei Jahren das Tagesnachrichten-Blatt ins Leben gerufen. Bundesweit beziehen 200 Taubblinde diese Zeitung, die von Doris Krämer beim DBV in Bonn erstellt wird.
Wie viele Taubblinde es insgesamt in Berlin gibt, darüber hat der Deutsche Blindenverband keine konkreten Zahlen. In den neuen Bundesländern sind es etwa 400 Menschen. »Mit der Zeitung erreichen wir ja nur diejenigen, die die Punktschrift beherrschen«, so Nicolai. Erst wer einmal einem Taubblinden gegenübergestanden hat, kann ermessen, welche enorme Leistung das Erlernen dieser Schrift für einen Menschen bedeutet, der in völliger Isolation leben muß. Mit Erschrecken habe er beobachtet, wie lange ein taubblindes Kind allein brauche, um nach dem Ertasten eines Gegenstandes den entsprechenden Begriff artikulieren zu können, sagt Thomas Nicolai. dpa
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