Tatort „Das perfekte Verbrechen“: Schuss aus der Elite-Schule

Der Berliner Tatort zeigt, dass es kein perfektes Verbrechen gibt. Protagonisten sind „perfekte“ Eliten und ein Junge aus der Unterschicht.

Eine Frau liegt zwischen PassantInnen leblos auf dem Boden

Erschossen mitten am Tag und mitten auf dem Gendarmenmarkt Foto: RBB

Wie und wo wohnt die (angebliche) Elite in Berlin? Natürlich in großen Villen in Grunewald, also da, wo man noch ein „Freiherr“ im Namen trägt und über einen Waffenschrank verfügt, weil die Jagd (neben Golf) zu den Oberschichten-Hobbys gehört: Kapitale Hirsche, geschossen von potenten Kapitalisten, es könnte einem schlecht werden.

Alle in feinstem Zwirn, wirken die hübschen Jungschnösel – klar, alle weiß und angehende Juristen; Frauen sind hier nur Beiwerk –, auf den ersten Blick nett und adrett, wortgewandt sowieso, man hat das Auftreten schon von klein auf gelernt. Aber auf den zweiten Blick? Was für ein elitärer Club.

Um einen solchen dreht es sich im neuen RBB-„Tatort“ „Das perfekte Verbrechen“ – vielmehr um den Nachwuchs eines solchen. Schließlich müssen Einfluss und Macht auch zukünftig gesichert sein. Ist man(n) drin, locken Studium, Stipendium, ein Praktikum in einer renommierten US-Bank und später ein lukrativer Job. Seilschaft nannte man das früher oder auch Filz, heute läuft das unter Netzwerken.

Wer zu diesem illustren Zirkel gehören will, hat ein Aufnahmeritual zu absolvieren und mehrere Aufgaben zu erfüllen. Und weil man es sich leisten kann, kriegt diesmal ein junger Mann aus einfachen Verhältnissen eine Chance. Der Neuanwärter, „Unterschichtenkind“ Benjamin Renz, kommt aus dem wesentlich einfacheren Stadtteil Oberschöneweide und ist – so wie seine Eltern – ein Habe­nichts.

Klug durchdacht, hübsch ambivalent

Gleich zu Beginn gibt es eine Tote. Punkt 12 Uhr mittags (also bitte!) wird auf dem belebten Gendarmenmarkt eine junge Frau erschossen. Keiner hat etwas gehört oder gesehen.

Eine erste Standortbestimmung aber zeigt, dass der Schuss aus einem Raum der nicht weit entfernten Berlin School of Law abgegeben wurde. Es handelt sich dabei um eine private Elite-Hochschule, die Club-Mitglieder hielten dort gerade ein Kolloquium ab. Und eine der Aufgaben des Aspiranten Benjamin ist es, einen Vortrag zu halten – über das perfekte Verbrechen.

Nun, um nicht zu viel zu verraten, kann man es kurz machen: Abgesehen von einigen Klischees ist das ein ziemlich perfekter „Tatort“, der nicht nur klug durchdacht, hübsch ambivalent und spannend ist, sondern auch gut gespielt ist, starke Dialoge bietet und deshalb einfach Spaß macht.

Ein superbes Lehrstück über Manipulation und darüber, dass es natürlich gar kein perfektes Verbrechen geben kann.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben