: Taslima Nasrin
„Als Wesen ohne Ende hast Du mich geschaffen, weil es Dir so gefiel. Und dieses so zerbrechliche Gefäß wird noch und noch von Dir geleert und jedesmal gefüllt mit frischem Leben.“ – So dichtete Rabindranath Tagore, der bengalische Dichter. Von ihm, dem Hindu, stammt auch der Text der bangladeschischen Nationalhymne „Amar somar Bangla...“ Jetzt sind islamische Mullahs dabei, das einst für seine Toleranz berühmte Land der Bengalen zu einem „Gottesstaat zu bomben und (hin-)zurichten. Taslima Nasrin und die anderen verfolgten Schriftsteller, Verleger und Journalisten sind nicht die ersten Opfer des neu erstandenen Fundamentalismus in dem südasiatischen Land: Vor allem viele Frauen starben bereits vorher nach gesetzlich nicht zulässigen Dorfgerichtsverfahren („salish“), mit denen die Mullahs ihre Moral und vor allem ihren Machtanspruch durchsetzen.
Die – demokratisch gewählte – Regierung verhält sich opportunistisch. So muß der Druck in- und außerhalb Bangladeschs auf Premierministerin Begum Khaleda Zia noch größer werden, damit sie sich für den Rechtsstaat und die Menschenrechte entscheidet – gegen Sharia und Intoleranz.
Ich bewundere Taslima Nasrin für den Mut, ihren Kampf so lange wie möglich in ihrem Land durchzufechten. Demokratie ist ein „zerbrechliches Gefäß“. Aber vielleicht erwächst ihr in Bangladesch durch die jetzige Auseinandersetzung „frisches Leben“. Bernhard Hertlein,
amnesty internatioal/Kogruppe
Bangladesch, Bielefeld
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