Tage des offenen Denkmals: Back to the Roots

Die "Tage des offenen Denkmals" beschäftigen sich erstmals mit archäologischen Grabungen. Spektakuläre Funde steigern das Interesse an Berlins Urgeschichte.

Es ist ein Novum in der Berliner Denkmallandschaft, dass sich die "Tage des offenen Denkmals" am kommenden Wochenende mit dem Thema Archäologie und Bauforschung beschäftigen. Schwerpunkte waren in der Vergangenheit eher die Architekturen der klassischen Moderne, Verkehrs- oder Wohn- und Kirchenbauten sowie Industriedenkmäler. Dies scheint nur auf den ersten Blick eingängiger für Interessierte, haben doch in der jüngsten Zeit spektakuläre Ausgrabungen, Funde und Entdeckungen zur Vor- und Frühgeschichte der Stadt die Perspektive auf dieses Thema erweitert und spannend gemacht.

Das haben nun auch der Senat und die Denkmalbehörde erkannt. Zahlreiche Ausgrabungen, sagen Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer und Landeskonservator Jörg Haspel, hätten "in den letzten Monaten unser Wissen über Berlin und seine Geschichte sehr bereichert" und nicht nur die Fachöffentlichkeit regelrecht "begeistert". "Zeitweise konnte man fast täglich in der Zeitung lesen, welche Aufsehen erregenden Funde gemacht wurden", so Junge-Reyer im Programmheft der Denkmaltage. Und dieses Interesse sei kein Zufall: Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und dem Mauerbau gab es nur erschwerten Zugang zu dieser Art von Stadtgeschichte. Nun könne dies überwunden und der "Sinn für die eigene Geschichte" bestärkt werden.

Tatsächlich: Auf dem einstigen Schlossplatz, am Alexanderplatz, an der Klosterkirche entlang der früheren Stadtmauer, aber auch weiter draußen in Biesdorf, Buch und am Spandauer Burgwall sind die Archäologen nach akribischer Arbeit auf die Spuren der Stadt und die Keimzellen von Berlin-Cölln und seinem Umland gestoßen.

Zu den außergewöhnlichsten Funden haben die Grabungen am Petriplatz nahe dem heutigen Mühlendamm beigetragen. Seit Frühjahr 2007 waren hier Ausgrabungen in großen Stil vorgenommen worden. Die Freilegungen ließen die Archäologen staunen: Entdeckt wurde der Stadtkern des mittelalterlichen Cölln mit Fundamenten der verschiedensten Bauten: der Petrikirche, des Cöllnischen Rathauses und den massiven Grundmauern der Lateinschule. Über tausend Gräber ließen den Friedhof der Petrikirche in Umrissen wiedererstehen. Der Ort und die Geschichte Berlins seien dadurch "wieder fassbar" geworden, so die Denkmalbehörde.

Ebenso spannende Erkenntnisse lieferte auch die Grabung in Biesdorf-Süd. Auf insgesamt 16 Hektar fand hier seit 1999 die größte Grabung statt, die es in Berlin jemals gegeben hat. Die dort gemachten Funde vermitteln ein Bild vom Leben in der Region seit dem 8. Jahrhundert vor bis zum 9. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung - mit zum Teil "detaillierten Einblicken" in jene Zeit, betont die Behörde.

Wie sehr das Thema auch "jüngere" Archäologen und zukünftige Denkmalschützer berührt, zeigt die Mitarbeit von Schülern. Unter Anleitung von Fachleuten beteiligte sich etwa die Knobelsdorff-Schule an dem Projekt Erforschung der Stadtmauer, die einst die Doppelstadt Berlin-Cölln umgab. Die Schüler halfen bei der Reinigung, Sanierung und Restaurierung der Mauerrudimente, die auf rund 80 Meter im Klosterviertel existieren (siehe Interview). Auch das kann man am Wochenende besichtigen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de