: Tabula rasa zum Fest
Thorsten Elsholtz, AfD-Sprecher und Inhaber der Agentur „Medien Therapie“, lädt zur JournalistInnen-Runde. Viel interessanter ist allerdings, wen diese Agentur als ihre Partner auflistet. Und was die dazu sagen.
Von Nanja Boenisch↓
Im Mail-Postfach wartet eine Einladung, rausgeschickt an alle möglichen Redaktionen in Deutschland über den ganz großen Verteiler. Die Schlagworte: JournalistInnen-Runde, Hintergrundgespräch, Menschenrechte. Absender der Mail ist Thorsten Elsholtz, Sprecher der Berliner AfD-Fraktion. MedienvertreterInnen sind zum Austausch mit dem Abgeordneten Jürgen Braun geladen.
Braun ist AfD-Bundestagsabgeordneter aus dem schwäbischen Wahlkreis Waiblingen und Menschenrechtssprecher der Partei. In seiner Plenarrede vom 16. Dezember wird deutlich, für welche Menschen er diese Rechte geltend machen will. Spoiler: Er hält die Freiheit der ChristInnen (im Original gendert er natürlich nicht) weltweit für gefährdet durch „Kommunisten“ und „Islamisten“. Gerade in der Weihnachtszeit müssten ChristInnen besser geschützt werden. Aha.
Abgesehen davon, dass die JournalistInnen-Runde im fernen Berlin stattfinden soll, wollen wir da ungern hin. Sprecher Thorsten Elsholtz hat in seiner Mail-Signatur außerdem „Medien Therapie“ stehen. Das macht auch nicht so viel Lust, suggeriert es doch, dass die geladenen JournalistInnen nicht ganz gesund seien und therapiert werden müssten – von der AfD. Nein, danke.
Tatsächlich handelt es sich bei „Medien Therapie“ um eine Agentur zur Kommunikationsberatung aus Berlin, Thorsten Elsholtz ist der Inhaber. Laut Website bietet er Beratung, Konzepte und Trainings für sogenannte „Kommunikations-Herausforderungen“ an. Spezialgebiet seien die Bedürfnisse von Unternehmen, Verbänden und NGOs, insbesondere aus dem Gesundheitswesen. Oha.
Der Reiter „Referenzen“ deutet an, dass Elsholtz auch selbst publiziert hat. Und wirklich, zwei, drei Artikel sind verlinkt. Vor allem aber hat Elsholtz unter der Überschrift „Partner“ die Logos zahlreicher Medien und Verbände aufgeführt und verlinkt, darunter teils wohlbekannte Namen: das Rotary-Magazin, der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, die deGUT Messe zum Gründen und Unternehmen, der Evangelische Pressedienst, das Bundeswehrmagazin Y-Punkt. Hat er für sie alle geschrieben oder gearbeitet?
Unerlaubt, ohne Absprache, definitiv falsch
Und vor allem: Ob sie wohl als Partner auf der Website des Berliner AfD-Sprechers stehen wollen? Wir fragen nach. Bis auf die Bundeswehr antworten fast alle: Vielen Dank für den Hinweis, die Nennung als Partner sei bisher nicht bekannt gewesen, die Nutzung des Logos unerlaubt, Absprachen habe es nicht gegeben, Thorsten Elsholtz werde gebeten, das Logo zu entfernen. Die Henry Schein Dental Deutschland GmbH fügt hinzu: „Wir pflegen keinerlei Geschäftsbeziehungen zu der Agentur und distanzieren uns ausdrücklich von den politischen Inhalten der AfD.“ Einige, etwa der Ost-Ausschuss und das Rotary-Magazin, räumen ein, dass es einmalige Kooperationen mit Elsholtz gegeben habe. Andreas Metz, Pressesprecher des Ost-Ausschusses, sagt jedoch: „Dass wir online als ‚Partner‘ mit Logo und Verlinkung gelistet werden, ist so aber definitiv falsch.“ Eine Zusammenarbeit direkt mit der Agentur „Medien Therapie“ habe es nie gegeben und die punktuelle Zusammenarbeit mit Herrn Elsholtz liege über zehn Jahre zurück; damals existierte die Partei AfD noch nicht.
Wir haben uns schon gefreut, die Logos nun nach und nach von der Website der „Medien Therapie“ verschwinden zu sehen. Der Spaß blieb uns verwehrt, denn plötzlich – war der ganze Reiter „Referenzen“ weg. Die Hinweise auf unerlaubte Verwendung der Logos und Nennung als Partner schienen Elsholtz zumindest teilweise schon erreicht und dazu bewegt zu haben, gleich aufs Ganze zu gehen und Tabula rasa zu machen. Natürlich freuten wir uns auch darüber.
Auf die Bitte, Stellung zu den entfernten Referenzen zu nehmen, entschuldigt sich Thorsten Elsholtz damit, die Website (seiner Kommunikationsagentur!) seit 2014 nicht mehr aktualisiert zu haben. Aber er weiß unsere Nachforschungen zu schätzen: „Ihre Mail nehme ich dankend zum Anlass, die Seite nach langer Pause umfassend zu überarbeiten.“ Nun, was sollen wir sagen? Gern geschehen! Gerade in der Weihnachtszeit helfen wir immer gerne.
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