piwik no script img

■ SurfbrettDie Avantgarde der Hyperanalphabeten

Soziologen haben nie an die eine Welt der digitalen Bürger im Netz geglaubt. Das Internet zerfällt in beinahe unendlich viele Interessengrüppchen. Verbissene Computerfanatiker leben neben smarten Geschäftsleuten und zerknitterten Briefmarkensammlern. Eine Sondergruppe bilden die deutschen Netzavantgardisten, die das Internet für ihre eigene multimediale Erfindung halten und deswegen nicht glauben, die minimalsten technischen oder wahrnehmungsphysiologischen Bedingungen zur Kenntnis nehmen zu müssen. Das neuste Produkt dieser Gruppe heißt „convex tv“ (www .art-bag.net/convextv/). Es besteht aus einer einzigen Zeile, die so lang ist, daß sie auf keinen Bildschirm paßt. Windows sei Dank läßt sie sich zur Seite schieben. Ganz am rechten Ende offenbaren sich ein paar Adressen, die alle ein bißchen nach der letzten documenta aussehen. Wie dort steckt auch hier weiter nichts dahinter außer dem Namen, mit Ausnahme des Senders Radio Brandenburg vielleicht, der aus irgendeinem unerfindlichen Grund an diesem Werk beteiligt ist. Hier ist man in der Sackgasse gelandet, kein Link, der irgendwohin führt, nichts als rotbrauner Hintergrund und leerlaufende Grafik. Ist sonst kein schlechter Sender, aber das konvexe Fernsehen auf der Stufe des hypertextuellen Analphabetismus hat er wohl nicht erfunden.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen