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Süchtige hetzen durch die Züricher Straßen

■ Nach der Räumung des Letten

Zürich (taz) – Zwei Tage nach der Schließung der offenen Drogenszene am Züricher Letten gerät die Szene in Bewegung. Süchtige hetzen durch die Straßen, auf der Suche nach Dealern und auf der Hut vor der Polizei. Die sieben Kontakt- und Anlaufstellen der Stadt sind gut besucht. Fünf davon sind mit Fixerstuben ausgerüstet – hier darf sich jeder Konsument eine halbe Stunde ausruhen und in Ruhe und mit sauberen Spritzen einen Schuß setzen. 500 bis 800 Injektionen pro Tag werden in den „Gassenstuben“ gedrückt. Besonders vor der Anlaufstelle Neufrankengasse, nahe am Letten-Bahnhof, sammeln sich Junkies. „Der Druck der Szene nimmt zu. Wenn die Anwohner sich beschweren, machen sie uns den Laden dicht“, fürchtet Rosanne Waldvogel, Leiterin der Anlaufstellen. Rund 300 Polizisten patrouillieren durch die Stadt, um jede Bildung von neuen kleinen Szenen zu verhindern. 48 Dealer wurden bereits verhaftet.

Züricher Fixer haben Zugang zu den Beratungsstellen, den Notschlafstellen, zur Gesundheitsvorsorge, zum Methadon- und 50 Personen auch zum Heroinabgabeprogramm „Lifeline“. Schweizer aus anderen Orten landen im Rückführungszentrum, wo sie innerhalb von 24 Stunden in ihre Heimatgemeinden gebracht werden – bis gestern mittag bereits 62 Personen. Neun größere Gemeinden im Kanton Zürich stellen sich auf die Situation ein und stellen Spritzenautomaten auf. Am härtesten trifft es ausländische Süchtige, die sich illegal in der Schweiz aufhalten. Sie werden schnellstmöglich abgeschoben. Wer keine Papiere vorweisen kann, geht bis zu 15 Monate in Haft.

„Viele haben Stoff gebunkert, die kommen erst wieder, wenn sie Nachschub brauchen“, glaubt Beat Kraushaar, ein Kenner der Züricher Drogenszene. „Momentan wird in Wohnungen gedealt, in Hauseingängen, in Straßenbahnen.“ Der Heroinpreis ist von 80 bis 100 Franken auf 150 gestiegen – anzunehmen, daß der Stoff gestreckt wird. Michaela Schießl

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