Suchtexpertin zum Spice-Verbot: "Ein Katz-und-Maus-Spiel"

Ab heute ist die Modedroge "Spice" illegal. Doch es gibt bereits frei erhältliche Alternativen, sagt Expertin Kerstin Jüngling. Das Problem an diesen Kräutermischungen: Niemand weiß, was drin ist

Kommt nicht mehr in die Tüte: Die Modedroge Spice ist verboten Bild: dpa

KERSTIN JÜNGLING leitet die "Fachstelle Suchtprävention", wo sie mit Lehrern und Eltern Konzepte zur Prävention bei Jugendlichen entwickelt.

Die bei vielen Jugendlichen beliebte Droge "Spice" ist wegen erheblicher Gesundheitsrisiken in Deutschland verboten. Herstellung, Handel und Besitz werden von diesem Donnerstag an unter Strafe gestellt, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch mit. Das bisher als Kräutermischung oder Räucherwerk verkaufte "Spice" enthält eine Form des synthetischen Cannabinoids "CP-47,497". Die Substanz ähnelt dem Hauptwirkstoff der Cannabispflanze, wirkt aber viel stärker und länger. Auch die ebenfalls in der Droge enthaltene Substanz "JWH-018" wird verboten. DPA

taz: Frau Jüngling, am Donnerstag wird die Modedroge "Spice" verboten. Haben Sie sie mal probiert?

Kerstin Jüngling: (lacht) Nein. Ich habe auch noch keine Schuhcreme probiert - und weiß dennoch, dass es nicht gut wäre.

Was ist so gefährlich an "Spice"?

Das Gefährlichste ist, dass man nicht wissen kann, was so ein Kräuterbeutel, der im Headshop angeboten wird, genau enthält. Mal sind Engelstrompeten darin, mal Cannabinoide.

Also Halluzinogene. Die Jugend liebt die Gefahr. Insofern müsste "Spice" bei Jugendlichen sehr beliebt sein?

Ja. "Spice" ist in den Headshops ausverkauft. Natürlich ist die Jugend neugierig, aber sie lässt sich auch nicht gerne verarschen. Deswegen sage ich den Jugendlichen: Ihr gebt euer ganzes Taschengeld für etwas aus, von dem ihr nicht wisst, was es ist und wie es wirkt. Und damit machen die Headshops einen riesigen Reibach.

Hersteller und Verkäufer wollen verdienen. Deswegen bieten die Headshops bereits Alternativen zu "Spice" an. Die heißen dann "Space" …

… oder "Chill-X", "Smoke", "Sence", ja, ja - das ist natürlich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Gesetzgeber und Markt. Deswegen reichen Verbote allein auch nicht. Sowohl Lehrer als auch Schüler müssen mit den Jugendlichen sprechen, sie nach ihren Erfahrungen fragen, auf Gefahren hinweisen, etc.

Wie stellt man sicher, dass sich die Headshops und andere Anbieter an das Verbot von "Spice" halten?

Auch das ist ein Katz-und-Maus-Spiel. Die Polizei und Ordnungsämter müssen Kontrollen durchführen und vor allem das Internet nach Angeboten von "Spice" durchforsten. Aber das ist ja nicht das einzige Problem. Wissen Sie, wir Deutschen sind Weltmeister im Verbieten und Kontrollieren. Aber wichtiger wäre es, in den Gesprächen mit den Jugendlichen Stellung zu beziehen.

Halten Sie denn das Verbot von "Spice" überhaupt für sinnvoll, zumal die Jugendlichen auf Alternativen ausweichen können?

Sicher. Zum einen ist mit dem Verbot klargestellt, dass es sich bei "Spice" um eine gefährliche Droge handelt. Zum anderen wird - wie bei allen verbotenen Substanzen - der Konsum zurückgehen.

Gibt es kein Recht auf Rausch?

Das gilt vielleicht für Erwachsene. Ich sage den Jugendlichen auch nicht, dass sie nichts ausprobieren dürfen. So eine Forderung wäre utopisch. Aber sie sollten bei dem bleiben, was einschätzbar ist. Bei einem Glas Bier weiß man, was man zu sich nimmt, und auch, was passiert. Bei "Spice" weiß man weder noch.

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