Studie zum Artensterben: Mehr als die Summe seiner Teile

Mit Zahlen und Statistiken lässt sich nicht alles erklären, aber vieles besser verstehen – etwa, wie sich das Aussterben von Tierarten stoppen lässt.

Zeichnung eines Tyrannosaurus zwischen Farnen und Bäumen

Zumindest mit dem Aussterben der Dinos hatte der Mensch nichts zu tun Foto: StockTrek Images/imago

Die Natur zu berechnen ist gewissermaßen Teil der arroganten und zerstörerischen Vorstellung, der Mensch könnte sie mit Wissenschaft und Technik beherrschen. Es gibt aber vieles, das man mit naturwissenschaftlichen Mitteln, Zahlen kaum erfassen kann. Selbst der menschliche Körper – der ja zur Natur gehört – ist uns zuweilen ein Rätsel. Wie soll man da anhand von Zahlen verstehen können, was es bedeutet, dass laut Weltbiodiversitätsrat eine Million Tiere und Pflanzen vom Aussterben bedroht sind?

Umso ironischer ist es, dass nun gerade eine statistische Metastudie hilft, die Schwächen bisheriger Berechnungsmodelle des durch Umweltzerstörung zu erwartenden Artenverlusts offenzulegen. Die am Mittwoch im Fachmagazin Nature veröffentlichte Analyse basiert auf 123 Studien zu ­isolierten Lebensräumen – beispielsweise Inseln, die in für die Energiegewinnung angelegten Stauseen neu entstanden sind. Sie zeigt, dass die Geschwindigkeit des Artensterbens dort sogar noch höher ist als bisher angenommen.

Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass ein differenzierteres Bild des Artensterbens dabei helfen könnte, es aufzuhalten. Denn richtig interpretiert und eingesetzt, sind Zahlen natürlich doch äußerst hilfreich. So könnte das neue Wissen um die Besonderheiten der durch Zerstörung verkleinerten Lebensräume auch bei ihrem effektiveren Schutz nützlich sein. Wenn man besser versteht, was bedrohte Arten auch in dezimierten Lebensräumen brauchen, kann man ihr Aussterben vielleicht noch verhindern. Außerdem helfen solide Daten dabei, den Schutz der Artenvielfalt politisch einzufordern.

Letztlich aber sind die besten Studien nutzlos, wenn ihre Implikationen nicht umgesetzt werden. Im Grunde ist es zweitrangig, wie schnell genau die Vielfalt des Lebens auf dem Planeten schwindet. Wir wissen längst, was der Mensch – beziehungsweise der Kapitalismus – auf der Erde anrichtet. Die entscheidende Frage ist: Sind wir bereit, lieb gewonnene Gewohnheiten aufzugeben für ein weniger instrumentelles Verhältnis zur Natur?

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