■ Schnittplatz: Strammer CSU-Funk
München (taz) – Stinksauer sind sie, die bayerischen Grünen, und zwar auf das bayerische Fernsehen. Weil es für die TV-Gewaltigen des Bayerischen Rundfunks offenbar nur eine Partei gibt: die CSU. Die grünen MedienpolitikerInnen Margarete Bause und Raimund Kamm haben die drei regelmäßigen aktuellen Sendungen des dritten BR-Fernsehprogramms an fünf Wochentagen unter die Lupe genommen – und, siehe da: Die öffentlich-rechtliche Parteilichkeit ist noch schlimmer als befürchtet. 43 Beiträge sendete der BR über die CSU, dreimal SPD, zweimal Grüne, fünfmal FDP.
Dabei wollen die Grünen nicht als kleinliche Erbsenzähler dastehen. Die verlesenen Meldungen wurden ebensowenig mitgerechnet wie die Beiträge über den scheidenden Landtagspräsidenten Vorndran. Und trotzdem sieht die Bilanz für die Grünen finster aus: „Wir können inhaltlich bringen, was wir wollen, beim BR geht – gerade jetzt vor der Landtagswahl – nichts. Wenn aber irgendein CSUler einen fahrenläßt, ist der groß im Bild und O-Ton“, schimpft Raimund Kamm. Auch Margarete Bause wird heftiger als sonst: „Die Mitarbeiter der Hauptabteilung Politik im BR-Fernsehen verstehen sich oft als Propagandaabteilung der Staatskanzlei!“
Doch BR-Chefredakteur Gerhard Fuchs entwickelt ob der Grünen-Schelte keinerlei Unrechtsbewußtsein. Die Umfrage sei in keiner Weise repräsentativ. Im übrigen sei es nicht verwunderlich, daß Regierungsmitglieder durch ihre „die Bevölkerung direkt betreffenden Handlungsmöglichkeiten öfters [sic!] zitiert werden als die Mitglieder der Oppositionsparteien“.
In der Praxis sieht das dann so aus, daß zum Thema Nacht-Tiefflugschneisen kaum etwas im Programm zu finden ist, dafür aber jede Chance, einen CSU-Politiker ins Bild zu rücken, genützt wird. Statt Tiefflug schwirrt in Bayern eben die Staatssekretärin Barbara Stamm zum Thema „Impfungen in der Bevölkerung“ über die Mattscheibe. Vernehmbares Grummeln ob dieser Einseitigkeit kommt freilich nicht nur von den Grünen, sondern auch von einigen BR-Mitarbeitern. Und das müßte doch eigentlich irgendwie stutzig machen.Klaus Wittmann
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen