Störfall im Emsland: Explosion auf Ölfeld

Zwischen Meppen und Lingen explodiert eine Ölförderanlage, vier Menschen kommen ins Krankenhaus. Umweltschäden seien nicht zu befürchten, so die Behörden.

Explosion auf dem Ölfeld Bramberge nahe der Ortschaft Geeste: Ursache noch ungeklärt. Bild: dpa

GEESTE taz | Auf dem Ölfeld Bramberge nahe Geeste im Emsland ist am Dienstagabend eine Förderanlage explodiert. Gelöscht war der Brand erst am Mittwoch. Zum Zeitpunkt der Explosion waren sieben ArbeiterInnen anwesend. Vier wurden schwer verletzt und in Spezialkliniken gebracht.

Die genaue Ursache der Explosion ist unklar. ErmittlerInnen des zuständigen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sowie von Feuerwehr und Polizei gehen derzeit davon aus, dass bei routinemäßigen Wartungsarbeiten Gas austrat, das sich entzündete. Woher das Gas stammte und wie genau es in Brand geriet, sei aber noch nicht bekannt, teilte das LBEG mit.

Die Bohranlage mit der Bezeichnung „Bramhar 10 a“ liegt auf dem siebtgrößten deutschen Ölfeld und ist von Ackerflächen umgeben. Damit die Feuerwehr die Brandstelle erreichen konnte, musste zunächst ein Maisfeld abgemäht werden. Wohngebiete sind nicht in direkter Nähe.

Derzeit erwarten die Behörden keine großen Umweltschäden. „Größere Mengen Öl sind nicht ausgelaufen“, sagt Rochus Rieche vom LBEG der taz. Dennoch seien Auswirkungen auf die Umwelt durch Brand und Löschwasser „natürlich möglich“. Bei der Brandlast habe es sich um Gas und die Förderwinde gehandelt, aber nicht um Öl. „Ölverunreinigungen hat es nach jetzigem Kenntnisstand nicht gegeben“, so Rieche. Trotzdem haben Feuerwehr und THW in den umliegenden Bächen vorsorglich Ölsperren verlegt.

Niedersachsen besitzt die größten Erdgasreserven unter den deutschen Ländern und die höchste Produktionsrate. Beim Erdöl liegt es auf Platz zwei - hinter Schleswig-Holstein.

Die Ölfördermenge in Niedersachsen sinkt seit fast 50 Jahren, vom Maximum von 6,3 Millionen Tonnen im Jahr 1965 auf unter eine Million Tonnen im Jahr 2012.

Das Feld Bramberge im Emsland wurde 1958 erschlossen. 2013 wurden dort rund 97.000 Tonnen Öl gefördert; auch hier sinkt die Fördermenge. Deutschlandweit waren es im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Tonnen.

Bei Erdgas wurde 1999 mit 20,9 Milliarden Kubikmeter die maximale Förderhöhe erreicht.

Nach Problemen mit den Förderanlagen in der Region gefragt, sagt Michael Fuest, grüner Fraktionsvorsitzender im Kreistag Emsland: „Jein“. Die hohen Ölpreise ließen es für Firmen wieder lukrativ erscheinen, auch in ehemals als unprofitabel eingeschätzten Gegenden nach dem Rohstoff zu bohren, erzählt er. In den 1980er- und 90er-Jahren stillgelegte Anlagen seien auch im Emsland wieder in Betrieb genommen worden. Dabei platze auch mal eine marode Pipeline, so Fuest: „Das passiert immer wieder.“ Am Standort Bramberge habe man insgesamt wenig Probleme. Dennoch: „Ein Restrisiko bei der Erdölförderung bleibt eben“, sagt der Grüne.

Ganz so möchte Rieche vom LBEG das nicht stehen lassen: In Niedersachsen sei es nicht ohne Weiteres möglich, stillgelegte Bohrungen wieder in Betrieb zu nehmen. Die Bohrlöcher werden bei der Stilllegung verfüllt. Allerdings könnten Unternehmen neue Löcher bohren. „Das ist eine wirtschaftliche Betrachtungsweise. Ich könnte jetzt aber kein konkretes Beispiel nennen, wo das gemacht wurde“, sagt Rochus.

Schäden an Pipelines kämen zwar vor, „ich will aber nicht sagen oft“. Insgesamt schätzt er die Anzahl an Vorfällen auf fünf bis 20 pro Jahr. Auch kleinere Brände gebe es immer wieder, wenn auch deutlich seltener. Das Unglück vom Montag sei eine andere Kategorie. Bei GDF Suez, eines von vier Förderunternehmen im Norden, habe das LBEG als Aufsichtsbehörde „keine Auffälligkeiten“ zu berichten.

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