Steuer-Streit in Peru: Demonstranten nehmen Geiseln

In Peru eskaliert der Konflikt um die Steuereinnahmen aus einer Kupfermine. Bei der Verteilung des Geldes werde die Nachbarregion bevorzugt, finden die Protestler.

Demonstranten am Montag auf einer Brücke in Moquegua. Bild: rtr

BUENOS AIRES taz In Peru haben Demonstranten mindestens 60 Polizisten und einen General als Geiseln genommen. Nach Angaben lokaler Medien werden die Polizisten in einer Kirche in der südlichen Region Moquegua festgehalten. Die Situation entstand, nachdem die Ordnungskräfte versucht hatten, mit Tränengaseinsatz Straßenblockaden der Bevölkerung zu räumen. Vor einer Woche hatte die Bevölkerung von Moquegua mit der Blockade der wichtigen Panamericana-Verbindung zur Nachbarregion Tacna begonnen. Inzwischen wird die Zahl der protestierenden Demonstranten auf rund 20.000 geschätzt. Sie können auf die Unterstützung lokaler und regionaler Führungspersönlichkeiten zählen.

Hintergrund ist der Streit um die Verteilung der staatlichen Einnahmen des Jahres 2007 aus der Kupfermine Southern Perú. Die Mine, die von einer mexikanischen Bergbaufirma ausgebeutet wird, erstreckt sich über das Gebiet beider Regionen. Die Bevölkerung von Moquegua wirft den staatlichen Stellen vor, sie würden die Nachbarregion Tacna bei der Zuteilung bevorzugen. Nach ihrer Auffassung gingen 80 Prozent der Gelder nach Tacna, obwohl auf deren Gebiet weniger als 50 Prozent des Kupfers der gesamten Zone gefördert werde. Statt der zugesagten rund 67 Millionen sollten 168 Millionen Dollar nach Moquegua fließen, fordern die Demonstranten. Zudem verlangen sie, dass die Zuteilung künftig nach dem abgebauten Erz berechnet werden soll und nicht nach dem gewonnenen Kupfer.

Premierminister Jorge del Castillo hatte für Dienstag die Unterzeichnung eines Kompromisses angekündigt und die Bevölkerung zur Beendigung der Proteste aufgerufen. Wie dieser Kompromiss jedoch aussehen soll, wurde bisher nicht bekannt. Lediglich dass Southern Perú ab dem kommenden Jahr nach Regionen getrennt abrechnen würde, wurde verkündet. Zuvor hatte Tacnas Regionalpräsident Hugo Ordoñez ebenfalls heftige Proteste angekündigt, sollte es zu einer Neuverteilung der Gelder kommen. "Seit vier Jahren werden die Gelder so verteilt, und nie gab es Proteste. Wir werden es nicht erlauben, dass Moquegua uns auch nur einen Cent wegnimmt", so Ordoñez.

Bei dem Räumungsversuch am Montag durch die Polizei war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, bei denen zahlreiche Polizisten und Demonstranten durch Schlagstockeinsatz und Steinwürfe verletzt wurden. Rund 100 Polizisten waren von der schieren Überzahl der Protestierenden umzingelt und zunächst in einem medizinischen Versorgungszelt festgesetzt worden. Unter der Vermittlung der Bischöfe von Moquegua und Tacna wurden die Verletzten freigelassen und die anderen in die Kirche der Stadt Moquegua gebracht.

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