haider, kultur etc.: Steiermark gegenFilmpreis
HÄNDE BEISSEN
Im Hotel Erzherzog Johann liegt nachts ein Apfel als Betthupferl auf dem Nachttisch. Die Frucht der Verführung steckt in einem grünen Pappschachterl, auf dem „Erntefrisch aus Österreich“ gedruckt steht.
Erntefrisch aus Österreich sind auch die folgenden Nachrichten: Bei der montagabendlichen, feierlichen Eröffnung des Festivals des österreichischen Films erfährt man, dass der Große Diagonale Preis, gestiftet vom Land Steiermark, dieses Mal, wenn überhaupt, ohne das Preisgeld vom 210.000 ÖS verliehen wird. Willkommen in Österreich.
Wo sich die steirische Landesregierung, wie die Tageszeitung Standard sagt, „sich um die praktische Umsetzung des Lehrsatzes des Noch-FPÖ-Obmannes Jörg Haider bemüht“. Und der lautet: „Der Hund soll nicht die Hand beißen, die ihn füttert.“ Das aber hat die Diagonale-Leitung getan, indem sie den Protest des Dachverbandes der österreichischen Filmschaffenden in ihrem Katalog abdruckte und ausdrücklich unterstützte. Der Protest war anlässlich der Berlinale abgegeben worden und richtete sich dagegen, „dass in der amtiereden Bundesregierung eine als rechtsextrem eingestufte Partei in Europa Regierungsverantwortung trägt“. Nun verlangt die FPÖ die Streichung der Sonderförderung für die Diagonale. Zwar wurde der Beschluss darüber auf nächsten Montag vertagt, was aber nur heißt, dass das Preisgeld für den besten österreichischen Spielfilm erst einmal eingefroren ist. Hätte jeder Galabesucher dreißig Mark gestiftet, könnte die Auszeichnung mit vollem Preisgeld vergeben werden. Auch diese Lösung wurde diskutiert.
Die angespannte Situation zeigt sich ebenfalls darin, dass der Staatssekretär Franz Morak zur Eröffnungsgala der Diagonale zwar eingeladen wurde – eine Rede durfte er freilich nicht halten. Die Eröffnungsrede hielt dann die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Sabine Scholl. Sie kam aus Chicago, der Stadt, über die die Blauen, wie die FPÖ allenthalben heißt, vor vier Jahren plakatierte: „Wien darf nicht Chicago“ werden. Als der Slogan auf den Titelseiten der Chicagoer Zeitungen erschien, wurde eine Entschuldigung schnell nachgereicht. Man meinte ja bloß das Image von Chicago, nicht die wirkliche Stadt.
Wie schnell das mit dem Imageschaden geht, weiß nun auch die Regierung Schüssel.
BRIGITTE WERNEBURG
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