Steffen Grimberg über Elon Musks Vorgehen gegen das ZDF: Manipulativ sind andere
Das ZDF hat sich vergaloppiert. „Ausschreitungen in Belfast – Wie Musk die Proteste befeuert“ lautet der Titel der „ZDF heute live“-Ausgabe vom 12. Juni. Damit lag und liegt der Sender völlig richtig. Tech-Billionär Elon Musk lässt keine disruptive Gelegenheit aus, sich destruktiv in die Zivilgesellschaft einzubringen. Nach der Messerattacke in Belfast am 6. Juni hatte Musk Posts des britischen Rechtsaktivisten Tommy Robins geteilt und selbst geschrieben: „Nur durch wiederholte und laute Proteste wird sich etwas ändern.“
Das ZDF kombinierte beides in der Anmoderation zur Sendung und formulierte, ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk hätten zur Jagd auf Migranten aufgerufen. Das stimmt formal so nicht und wurde jetzt juristisch von Musks Anwälten abgeräumt. Natürlich demonstriert Musk durch das regelmäßige Teilen von Posts von Leuten wie Robinson Nähe zu diesem Milieu und seinen menschenverachtenden Zielen. Aber er ist geschickt genug, nur den Anheizer vom Beckenrand zu geben und seine eigenen Kommentare so zu formulieren, dass sie schwer angreifbar sind.
Damit befeuert er trotzdem Hass und Hetze, die dann andere in direkte Gewalt umsetzen. Seine Fans hat Musk vor allem bei Springer. Dass die „Welt“ Musk verlässlich beisprang und sich mit ihm über das ZDF echauffierte, war zu erwarten. Na klar, der öffentlich-rechtliche Sender betreibt hier „ein relativ durchsichtiges Ablenkungsmanöver“ und „Desinformation“, wie Welt-Chefreporterin Anna Schneider kommentiert und dann ihrem „Schmerz über die monatlich zwangsabgezwackten 18,36 Euro, die derlei Desinformation auch noch finanziell unterstützen“, freien Lauf lässt.
Geht’s noch ein bisschen billiger? Das ZDF hat einen engagierten, aktuellen Beitrag über Musks gefährliches Gemurkse gemacht und leider am Anfang überzogen. Passieren sollte so etwas nicht. Es ist aber kein Weltuntergang und schon gar kein Beleg für manipulative Berichterstattung. Für die sind andere zuständig. Mal sehen, wann der nächste Beitrag von Elon Musk in der „Welt“ erscheint.
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