: Standort etwas sicherer
■ Freiburgs Investment-Politik macht sich beim 2:1 über Stuttgart bezahlt
Freiburg (taz) – Ein bißchen unglücklich ist nach dem Schlußpfiff nur ein Freiburger gewesen. „Wenn ich dran beteiligt bin“, sagt Martin Spanring, „dann werden Tore für uns wohl nicht mehr gegeben.“ Nachdem im letzten Sport- Club-Spiel ein astreiner Kopfballtreffer des Manndeckers aberkannt wurde, war Spanring gegen den VfB Stuttgart zur Stelle, als Torhüter Ziegler einen 20-Meter- Schuß abprallen ließ – Querpaß zu Jurcevic, Tor. Denkste. Der Mann in Schwarz sah „Abseits“ – zu Unrecht, wie die Zeitlupen bewiesen.
Es war Mitte der zweiten Hälfte, und Volker Finke, den Leiter der SC-Abteilung Fußball, beschlich draußen die heimliche Angst, daß seiner Mannschaft, „die um ihre Arbeitsplätze spielt“, nun die Nerven flattern könnten. Mit gutem Grund: Erst beim Schlußpfiff der rassigen Partie konnte er sicher sein, der immer wieder proklamierten „Sicherung des Bundesliga-Standorts Freiburg“ drei Punkte näher gekommen zu sein.
Die Freiburger Investment-Politik zahlte sich auch am Samstag aus. Nachdem er das erste Tor eingeleitet hatte, markierte Neuzugang Harry Decheiver später in seinem siebten Spiel für den SC zum dritten Mal den entscheidenden Treffer zum Sieg. Den Paß hatte auch hier ein Neuer gegeben: Alain Sutter. Das Duell des Tages aber hatte einer gewonnen, dem VfB-Trainer Fringer das „Glück des sehr, sehr Tüchtigen“ attestierte: Freiburgs Torhüter Schmadtke. Zwei „tausendprozentige Chancen“ (Marco Haber) von Giovanne Elber hatte der zunichte gemacht – mit überdurchschnittlichen Reaktionen“, wie Volker Finke die phantastischen Reflexe nüchtern beschrieb.
2:1 im Derby, der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz – klar, daß da der Kabarettist Matthias Deutschmann mit seinem im Stadionheft formulierten „Unbehagen an der badischen Nationalhymne“ ein einsamer Rufer in der Wüste blieb: „Der SC Freiburg gehört zu den wenigen innovativen Kräften in Deutschland – muß man da noch singen, daß in Mannheim die Fabrik und in Rastatt die Festung stehen?“ Nach dem Spiel war vor dem Spiel, auch was das Absingen des Badnerlieds anging. Harry Decheiver, der dazu wie ein Tanzbär über den Platz sprang, bewies, daß in der Welt des Fußballs auch Modernisierer und der „Mief von vorgestern“ (Deutschmann) durchaus zusammenpassen. Uli Fuchs
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