Standbild: More Moor
■ Medienmagazin "Canale Grande", VOX
Medienmagazin „Canale Grande“, Di., 22.10 Uhr, Vox
Müssen wir eigentlich als Menetekel begreifen, daß allerlei Herrschaften, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit anspruchsvollere Fernsehsendungen einklagen, mit genau solchen eminente Probleme haben? Jedenfalls liegen dem Unterzeichneten triftige und sogar gerichtsverwertbare Belege vor, daß der durchsichtige Gag, die früher alliierten, heuer konkurrierenden Moderatoren O. Kracht und U. Meyer mittels elektronischer Bildbastelei miteinander disputieren zu lassen, nicht als solcher erkannt wurde. Von Profiguckern, die sich dann anmaßen, das Gesehene zu beckmessern.
Die pfiffige Montage war eine gelungene Darbietung in der ersten Sendung des Vox-Medienmagazins „Canale Grande“, welches im Zeichen des Bildschirmaquariums – ein alter Nam June Paik-Gag – daherkommt, sich trefflich ins Infotainmentkonzept des neuen Senders einfügt und Spaß macht. Ganz ohne schwerblütige Tiefdenker-Attitüde oder, umgekehrt, schunkelselig überschäumende Highlife- Simulation.
Auch in der aktuellen Folge wechselten sich akute, aber auch randgelegene Themen, Kurzmeldungen, Talk und Hintergrundberichte ab. Allesamt in moderner, die Möglichkeiten des Mediums ausschöpfender Optik präsentiert, dynamisch, aber ohne übertriebene Mätzchen. Allein die agile Kameraarbeit während der einleitenden Anmoderation war dem visuell orientierten Genußmenschen eine reine Freude. Desgleichen der Fast-Forward-Effekt, als die Schwafelei der „Talk-Show- Touristen“ Bürger/Ebermann/ Struck zu unerquicklich zu werden drohte, konsequent abgerundet durch den Auszug des an Selbstironie und Gewitztheit nicht Mangel leidenden Moderators Dieter Moor. More Moor, please.
An dieser Stelle muß mal kurz festgehalten werden, daß der Terminus „Rede-Schau“ recht ordentlich an Beliebtheit gewonnen hat, seit er vor einigen Jahren erstmals in der taz niedergeschrieben wurde ...
Mögen mürbe Mitgucker miesgelaunt muffeln – unsereins findet „Canale Grande“ höchst vergnüglich, ist die Sendung doch genau das Richtige für den späten Abend, nach einem langen harten Arbeitstag in der Zeilenschinderei. Aber man hat in der Tat mehr davon, wenn man die Pointen auch versteht ... Herr Dittmeyer
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