■ Standbild: Na und?
„Signale – Recht auf Liebe für Behinderte“, Dienstag, 21.45 Uhr
So lieb kann Fernsehen sein! Im Amateurvideo knutschen Cosima und Johnny auf der Wohnzimmercouch, und ihre Mutter meint: „Das ist genau wie bei uns.“ Cosima hat das Down- und die „Signale“- Reporterin Barbara Feyerabend das Helfer-Syndrom. Ständig ist sie darum bemüht, ihre Randgruppe so normal wie möglich herzuzeigen – eine Art TV-Resozialisation.
Behinderte sind auch bloß Menschen. Und so mit ihren Alltagsproblemen beschäftigt, daß die fortschrittliche Autorin immer einen Sprung zu weit weg war. Immer wieder will sie wissen, wie das nun mit dem Sex sei – doch dann fällt en passant die Bemerkung, nur 10 Prozent der leichter Behinderten seien daran interessiert. Mittels Experten suchte die Autorin nach größeren Zusammenhängen, hörte gar von ernsten Problemen. Offen ausgetragen werden die Konflikte jedoch nur selten. Die Vorurteile schwelen unter dem Deckmäntelchen behütender Fürsorge – zum Beispiel bei Peters Mutter. Er ist schwul – na und? Seine Mutter tut zunächst verständnisvoll, aber als er sich dann Gruppensex wünscht, geht sie in die Offensive: alles „Hirngespinste“, eigentlich wünsche sich ihr Sohn doch eine Familie. Und überhaupt sei das doch „Verkehr mit Abhängigen“. Sie droht, Peters Lover anzuzeigen. Schwulsein als Doppelbehinderung? Peter lächelt bloß vielsagend.
Die schon im Titel propagierte Selbstverständlichkeit führte Barbara Feyerabend von Ort zu Ort, schließlich sogar zu den Berliner Hydra- Huren, die sich ein Schäferstündchen auf Krankenschein vorstellen können. Das ist tapfer recherchiert, aber fürs Verständnis der ganz normalen Probleme bringt das doch eher wenig. Dieter Deul
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