■ Standbild: Höchst anständig
„Club Las Piranjas“, Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD
Im Grunde hatte man die Hoffnung ja schon aufgegeben, daß jemals auch hierzulande, wo man gemeinhin Humor mit Grimassenschneiderei verwechselt, Comedy-Strategien nutzbar gemacht werden, die in angelsächsischen Ländern zum geläufigen Kanon der Film- und Fernsehschaffenden gehören. Nun ist es doch noch möglich geworden, hat aber Zeit gebraucht.
Vor fünf Jahren schon konzipierten Unterhaltungsdarling Hape Kerkeling und Doris J. Heinze ihre Komödie über die Drangsale und Nöte sogenannter Cluburlauber, die die schönsten Tage des Jahres hinter scherbengespickten Mauern verbringen und sich freiwillig dem totalitären Regime hysterischer FrohsinnspropagandistInnen beugen. Da braucht's nur einen leichten Drall, die Bizarrerie dieses Phänomens hervorzukehren, im vorliegenden Falle höchst anständig gelöst, indem den gedemütigten Protagonisten bei allem Spott auch ein gewisses Mitgefühl zugebilligt wurde.
Besonderen Pfiff bekam das Ganze freilich erst durch die in den episodischen Erzähltext gewobenen Unebenheiten und aberwitzigen Brechungen – ein Gastauftritt von Wilhelm Wieben, eine Anspielung auf „Am laufenden Band“, die direkte Ansprache des Zuschauers und als Dreingabe hinreißende Dialoge in schönster Loriot-Manier: „Ich bin alleinstehend.“ – „Ich bin aus Kassel.“ – „Sind Sie auch alleinstehend?“ – „Ich bin Abteilungsleiterin.“
Allein für diese Passage muß man den Film lieben, seinen visuellen Witz hingegen loben, und daß Kameramann Axel Henschel die berüchtigten Blaufilter im Koffer ließ und ansehnliche Nachtaufnahmen zustande brachte, möge ihm mit einem anständigen Honorar vergolten werden. Harald Keller
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