Stadtentwicklung auf dem Kirchentag: In der Mitte wird es eng

Wie sieht das Zusammenleben in den Städten der Zukunft aus? Wohnraum wird knapper und die soziale Durchmischung nimmt ab.

Die Hamburger Hafencity – einst ein frühes Beispiel für Gentrifizierung. Bild: dpa

HAMBURG taz | Jahrzehntelang sei es der Traum eines jeden Besserverdieners gewesen, ein Eigenheim im Vorort der Stadt zu bauen und dann einfach ins Zentrum zu pendeln, weiß Martina Löw. Was die Soziologin dann auf der Veranstaltung „Urbane Transformation im 21. Jahrhundert“ erzählt ist längst kein Geheimnis mehr: der Trend hat sich mittlerweile umgekehrt.

Das Leben in der Stadt ist beliebt, immer mehr Menschen drängen in die Stadtmitte, erschwingliche Mieten sind demzufolge immer seltener. Berlin Kreuzberg gilt als ein Kardinalsbeispiel für diese Entwicklung. Hinzu komme, so Löw weiter, dass die Bevölkerung immer mehr Platz beanspruche. Jeder Mensch besäße rund 10.000 Gegenstände, die er auch irgendwo unterbringen müsse. Die Konsequenz: mehr Platz muss her; Häuser müssen aufgestockt und Brachflächen bebaut werden.

Im Gegensatz dazu drängt Sozialer Wohnungsbau die Benachteiligten an den Stadtrand, während im Zentrum ein Penthouse nach dem anderen gebaut wird. Doch wie können Städte und Kommunen auf solche Entwicklungen reagieren? Die Stadt Frankfurt versucht zwar die Entstehung von teuren Immobilien zu verhindern, indem sie den Bau neuer Dachgärten und Aufzüge verbietet – die Immobilienbranche lässt enspannt und grinsend aber stattdessen nun Wintergärten bauen, was die Regulierung zunichte macht.

Unterstützenden Applaus vom Publikum fand das Beispiel aus München. Die Stadt setzt vermehrt auf ihr Vorkaufsrecht, um so Investoren auszustechen und Wohnungen zu moderateren Preisen anbieten zu können, erzählt Soziologin Löw.

Wohnraum teilen

Bei all dem Platzmangel rücken zudem die meist wohlhabende Senioren, die oft ohne ihre Kinder und nicht selten ohne Partner in ihren 120 Quadratmeterwohnungen leben, in den Fokus, auf dessen Wohnraum man es nun abgesehen hat.

Wie können sie dazu bewegt werden, ihren Wohnraum zu teilen oder womöglich gar umzuziehen? Philipp Rode, Stadtforscher von der London School of Economics, hofft diesbezüglich auf neue architektonische Konzepte, die Häuser flexibel aufzuteilen, zum Beispiel durch mobile Wände.

Denkbar wäre auch eine Besteuerung des Wohnraumes, um so die Menschen eher zu einem Umzug zu bewegen, so Rode. Ein heißes Eisen, doch solche Überlegungen gäbe es bereits in London.

Wahrscheinlich wird sich das Problem allerdings auch von selber lösen; der demografische Wandel wird eine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt mit sich bringen. In 30 bis 50 Jahren, schätzt Rode. Und bis dahin lohnt es sich vielleicht, einfach mal kräftig zu entrümpeln.

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