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"Stadt hält sich tapfer raus"

taz Salon Podiumsdiskussion: Macht der Staat zu wenig, andere das Falsche in der Flüchtlingshilfe?

Barbara Schneider

ist Scout für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsbegleitung beim Verein „Zuflucht – Ökumenische Ausländerarbeit e.V.“.

taz: Frau Schneider, es gibt viel Kritik am unkoordinierten freiwilligen Engagement in der Flüchtlingshilfe. Andererseits auch viele frustrierte Ehrenamtliche, die helfen wollen, aber nicht zum Zuge kommen. Wo liegt das Problem?

Barbara Schneider: Das ist vielschichtig. Das Engagement der vielen Freiwilligen ist grundsätzlich großartig, aber in einigen Heimen gibt es bereits so viele Ehrenamtliche, dass dort darum gebeten wurde, vorerst einen Aufnahmestopp zu machen. Die Neuankömmlinge möchten auch irgendwann mal ihre Ruhe haben, besonders wenn sie gerade angekommen sind.

Wie sieht eine „Hilfe auf Augenhöhe“ aus?

Indem man den Leuten ihre Selbstbestimmtheit lässt. Man sollte ihnen nicht das Leben komplett neu erklären wollen. Die Menschen haben vorher auch ihre Leben gemeistert, ihre Berufe ausgeübt, ihre Kinder erzogen, ihre Freizeit gestaltet. Unterstützung ist wichtig bei Sprachschwierigkeiten, beim Umgang mit deutscher Bürokratie. Aber das Wichtigste sind die Kontakte von Mensch zu Mensch.

Was sagen Sie Ehrenamtlichen, die sich wundern, wenn ihre Freizeit-Angebote nicht sonderlich angenommen werden?

Gerade junge Männer, deren Frauen und Kinder vielleicht noch im Libanon, in Syrien oder der Türkei festsitzen, haben nicht unbedingt den Kopf frei für Mal- oder Kochangebote – sondern andere Sorgen. Das müssen auch Ehrenamtliche akzeptieren. Und: Im Mittelpunkt sollten meines Erachtens die Bedürfnisse und Bedarfe der Neu-BremerInnen stehen, nicht unbedingt die der Freiwilligen.

Freiwillige brauchen ihrerseits Fortbildungen und gegebenenfalls Supervision. Gibt es dafür ausreichend Gelegenheiten?

Nein. Die Kirchen und die Freiwilligenagentur bieten so etwas in gewissem Umfang an und finanzieren das auch. Die Stadt hat sich da bislang tapfer rausgehalten, das muss sich ändern, wenn man weiterhin auf freiwilliges Engagement setzt. Es gibt allerdings auch Heime, wo keiner die bestehenden Angebote nutzt, wo auch die Supervisionsangebote nicht angenommen werden. Das finde ich schade.

Interview: Henning Bleyl

taz Salon „Willkommenskultur konkret“ mit Flüchtlingshelfern, Betreibern von Unterkünften und Vertretern des Sozialressorts: 19 Uhr, Lagerhaus

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