■ Sprengstoff im Tegeler Knast: Ein explosives Theater
Die einen wiegeln auf, die anderen wiegeln ab: mal reicht der in der Anstaltsgärtnerei ausgescharrte Sprengstoff, um erheblichen Sachschaden anzurichten, dann ist es wieder zu wenig, um auch nur ein klitzekleines Loch in die Knastmauer zu sprengen. Der richtige Knall ist ein ganz anderer: Wie kommen dreihundertfünfzig Gramm TNT in ein Gefängnis, an dessen Pforten man den urlaubsfähigen Häftlingen vor lauter Sicherheitswahn am liebsten im Hintern rumpolken würde, damit sie bloß kein Krümelchen Rauschgift in die Anstalt bringen. Die Entschuldigung der Justizverwaltung, daß das TNT weder durch Sonden noch durch Durchleuchtungsgeräte feststellbar sei, ist keine. Weil die gleiche Menge Heroin oder Koks so ebenfalls nicht festgestellt werden kann, ist es eher ein Eingeständnis, daß trotz all der kaum noch zu überbietenden Sicherheitsmaßnahmen, denen in Tegel auch BesucherInnen ausgesetzt sind, nicht ausgeschlossen werden kann, daß unerlaubte Dinge in die Anstalt kommen. Zugleich gäbe es für die Justizsenatorin keinen Grund mehr, so zu tun, als könne sie die Drogensituation in der Anstalt in den Griff bekommen. Das Hauptargument, um den Gefangenen Einwegspritzen zu verweigern, wäre damit Makulatur.
Da eingefahrene Positionen sich nicht am gesunden Menschenverstand orientieren, wird der Sprengstoff im Blumenbeet im günstigsten Falle leider nur dazu führen, daß irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen weiter verschärft werden. Bis zum nächsten Sprengstoff-Waffen-Rauschgiftfund. Insofern ist es eigentlich schade, daß der Sprengstoff bloß in den verbuddelten Gläsern Kondenswasser zog. Peter Lerch
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