Sport: Herthaner feiern keine Party in Marbella

Beim Testspiel in Spanien besiegen die Herthaner den VfL Osnabrück mit 1:0. Torjäger Marko Pantelic enttäuscht, während die Gerüchte um seinen Weggang nicht verstummen. Auch er selbst befürchtet, dass er verkauft wird, wenn ein Abgebot kommt.

Ralf Rangnick hat eine Stelle ausgeschrieben. Nach der Kreuzbandverletzung des besten Bundesliga-Torjägers Vedad Ibisevic hätte der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim gern einen neuen Mittelstürmer. Er dürfe ruhig etwas älter sein und müsse die Qualitäten, die aus einem Mittelstürmer einen "Knipser" machen, nachgewiesen haben. Da die Rückrunde schon in knapp zwei Wochen beginnt, ist die Zeit zur Integration knapp. Es wäre also ziemlich gut, wenn der Neue sich in der Bundesliga auskennen würde. Er muss natürlich auch zu haben und zu finanzieren sein.

Wer nun eine Liste mit Kandidaten aufstellt, landet schnell bei einem Stürmer von Hertha BSC. Marko Pantelic ist 30 Jahre alt, hat unbestritten Torjägerqualitäten. Die Berliner würden ihn gegen eine angemessene Ablösesumme in Millionenhöhe sicherlich auch sofort gehen lassen, denn im Sommer würden sie leer ausgehen. Der Vertrag des Serben, der sich immer wieder über den mangelnden Respekt beklagt, den ihm besonders Trainer Lucien Favre nicht bezeuge, läuft aus. Hertha-Manager Dieter Hoeneß wiederholt im Trainingslager im spanischen Marbella gebetsmühlenartig, dass er erst nach der Rückkehr am kommenden Mittwoch über eine Verlängerung mit Pantelic reden wird. "Trainingslager sind keine Gesprächslager", ist der Standardsatz von Hoeneß. Der Aufschub gibt dem Manager Zeit, seine Strategie zu verfeinern. Denn niemand glaubt daran, dass Pantelic auch im nächsten Wintertrainingslager noch bei der Hertha sein wird. Am allerwenigsten der Spieler selbst.

"Ich akzeptiere jede Entscheidung", sagte Pantelic der Berliner Morgenpost am Sonntag, "aber wenn ich gehen muss, wird das allen wehtun." Ihm selbst offenbar auch: "Wenn ich gefragt werde, was mein Wunsch ist, will ich bleiben - mindestens bis zum Sommer", sagt er. Gleichzeitig hat er sich offenbar mit seinem bevorstehenden Abschied schon abgefunden. "Es kann morgen ein Riesenangebot kommen, und Hertha sagt: Wir nehmen an. Dem werde ich mich nicht widersetzen können", so der Serbe, der beim Testspiel gegen den VfL Osnabrück am Sonnabend nicht gerade glänzte. In der zweiten Halbzeit musste er deshalb auch dem formstarken Tunesier Amine Chermiti weichen.

Wann Pantelic, der sehr stolz auf den Besuch seines neuen Nationaltrainers Radomir Antic in Marbella war ("Das zeigt von Respekt"), die Sachen packt, ist eine der spannenden Fragen: Geht er sofort, und geht er zu Hoffenheim? TSG-Manager Jan Schindelmeiser überging die Frage nach Pantelic am Sonnabend, als habe er den Namen nicht verstanden.

Lucien Fravre wiederum braucht selten ganze Sätze, um das Anforderungsprofil für eventuelle Neuzugänge zu beschreiben. Der Berliner Trainer spricht lieber nur von "Polyvalenz": Vielseitig sollte ein Neuer sein, im Mittelfeld überall herumwuseln können. Noch besser wäre, wenn er sich auch in der Abwehr zurechtfinden würde.

Der 18 Jahre alte serbische Mittelfeldspieler Darko Lazovic, der in Marbella gestestet wurde, ist damit offenbar aus dem Kandidatenkreis ausgeschieden: Er sei "eher kein Thema", sagte Hoeneß, zumindest nicht für diese Saison. Über weitere Namen wurde spekuliert, ohne dass der Manager klar Stellung bezog.

Quasi als Neuzugänge gelten die beiden Spieler Lucio und Chermiti. Nach ihren langen Verletzungspausen laufen sie putzmunter über den Rasen im "Paradise of football & sports". Auch Regenschauer und für andalusische Verhältnisse sehr bescheidene Temperaturen trüben ihre Stimmung nicht. Wenn Hoeneß den eifrigen Stürmer Chermiti beobachtet, muss er ein wenig schmunzeln: "Was bei ihm manchmal vielleicht ein bisschen zu viel ist, müsste bei Raffael mehr kommen." Der brasilianische Offensivspieler, im vergangenen Winter für viel Geld vom FC Zürich gekommen, habe ihn zwar im ersten Jahr nicht enttäuscht, aber: "Da ist noch viel möglich. Aber das ist bei einem jungen Spieler ja auch besser, als wenn er schon am Limit ist."

Am Limit wähnen viele Fans und Experten schon die Hertha, die nach einer nahezu optimal verlaufenen Hinrunde den dritten Tabellenplatz belegt und ihr Testspiel gegen den Zweitligisten VfL Osnabrück mit 1:0 gewann. Das Tor schoss Kaka in der 84. Minute. Von einer Hurrastimmung war in den Tagen von Marbella aber nichts zu merken. Dafür gibt es zu viele Verletzte. Pal Dardai reiste für eine Operation am Knie frühzeitig nach Hause. Der Ungar wird mindestens für vier Wochen ausfallen. Am Sonntag flog Sofian Chahed zu einer genaueren Untersuchung seiner anhaltenden Leistenprobleme nach Berlin.

Zu den Spielern, die ihr Pensum drosseln oder ganz aussetzen mussten, gehörte auch Andrej Voronin. Mit dem Ukrainer könnte ein zweiter Topstürmer die Hertha verlassen. Immerhin erklärte Voronin, auf jeden Fall bis zum Saisonende bleiben zu wollen. Dann endet das Leihgeschäft mit dem englischen Spitzenklub FC Liverpool, der angeblich 4 Millionen Euro Ablöse fordert.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de