■ MediaBazaar: Sport-Lizenz
Sind wir eigentlich in der zehnten, zwölften oder fünfzehnten Runde? Jedenfalls nicht in der letzten. So klein das Deutsche Sportfernsehen (DSF) ist, so zäh wird um seine Lizenz und Kabelplätze gerungen. Wo gerade welches Gericht in welchem Rechtsstreit was entschieden hat – nur noch die Justitiare schienen durchzublicken. Zankapfel: die Beteiligung von Leo Kirch – darf er, darf er nicht? Wenigstens die Fronten schienen klar: die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (pro) und die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB, contra).
Seit dieser Woche herrscht auch hier verkehrte Welt. Da hatten doch die Berliner Verwaltungsgerichte gefordert, dem DSF einen Platz im Kabelnetz zu verschaffen. Die MABB versetzte brav Euronews von seinem angestammten Kanal, der Nachrichtensender durfte nur noch part-time senden. Euronews klagte – und bekam von der gleichen 27. Berliner Kammer recht, die vorher den DSF-Platz erzwungen hatte. MABB-Chef Hans Hege nimmt jetzt das DSF wieder aus dem Kabelnetz – und legt gleichzeitig Beschwerde bei der nächsten Instanz ein: zugunsten seines Intimgegners DSF. Vielleicht will er die Gerichte ermutigen, die Kanalvergabe gleich selber zu regeln.
Aber vielleicht kommt ja alles noch ganz anders. Einen Tag nach der Berliner Entscheidung beantragte das DSF in München, seine Lizenz durch eine neue zu ersetzen. Man hatte mal wieder am Gesellschafterkarussell gedreht, und das geht nicht so einfach mit der alten Lizenz. Neuer Hauptgesellschafter wird mit 26,5 Prozent der Tabak- und Luxusgüterkonzern Richemont (Rothmanns, Dunhill Cartier et al.). Der gehört dem Industriemagnaten Johann Rupert, der laut Spiegel ein Siebtel des südafrikanischen Börsenwertes besitzt. Die Medienkontrolleure, die immer nach versteckten Treuhändern schnuppern, wird natürlich interessieren, daß Rupert auch beim italienischen Pay-TV Telepiù drinsteckt, genau wie beim DSF gemeinsam mit Kirch und Berlusconi. Hinter dem wiederum Italiens Finanzpolizei her sein soll, weil sein wirklicher Anteil bei Telepiù viel höher sei als angegeben ...Michael Rediske
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