Spickmich-Internetportal: Benotete Lehrerin klagt weiter
Zweimal ist sie gescheitert, doch eine Lehrerin klagt weiter gegen ihre Benotung auf dem Spickmich-Potral. Derweil zeigt Südkorea Interesse am Lehrer-Tüv.
Eigentlich hat sie keine Chance. Doch eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen will sich ihre anonyme Bewertung durch Schüler im Internet nicht gefallen lassen und verklagt das Portal Spickmich.de auf Unterlassung. Dabei hat sie schon zweimal eine Niederlage vor Gericht einstecken müssen: In zwei Instanzen scheiterte ihr Antrag auf einstweilige Verfügung.
Trotzdem macht sie weiter. Notfalls werde man damit bis zum Bundesverfassungsgericht gehen, sagte ein Anwalt dem Spiegel im Dezember. Am 30. Januar entscheidet das Landesgericht. Richterin Margarete Reske ließ gegenüber Spickmich.de durchblicken, dass sie die Seite nicht verbieten werde.
Unterstützt wird die Gymnasiallehrerin von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Solche Plattformen sind nicht geeignet, den Dialog zwischen Schülern und Lehrern zu fördern", sagt der Landesvorsitzende Andreas Meyer-Lauber. Über eine halbe Millionen Schüler sehen das offenbar anders und bewerten munter ihre Lehrer im Netz. Wer sagt seinem Lehrer schon gerne direkt ins Gesicht, wie unfair die Benotung ist, wenn demnächst eine Klassenarbeit ansteht?
Dabei gibt es auf Spickmich.de nicht die Möglichket, Lehrer zu beschimpfen. Registrierte Benutzer könen nur Noten in festgelegten Kategorien abgeben. Nach Protesten verschwand außerdem die Kategorie "sexy" - hinzugekommen ist stattdessen "fachlich kompetent". Die lustigen Sprüche, die Lehrern zugeschrieben werden können, liest die Redaktion der Seite gegen, bevor sie veröffentlich werden. Schmähkritik ist bei Spickmich.de nicht drin.
Weil bei Spickmich.de keine Tatsachen behauptet werden, sondern die Meinung der Schüler dargestellt wird (Aktenzeichen 15 U 142/07, 28 O 263/07), könne die Lehrerin schlecht gegen die freie Meinungsäußerung vorgehen, urteilten die Gerichte. Auch dass sie mit Namen, unterrichteten Schulfächern und ihrer Schule im Internet steht, müsse sie hinnehmen. Diese Informationen seien weder sensibel noch sachlich falsch - und stünden mit ihrem Einverständnis auch auf der Webseite der Schule.
Trotzdem nehmen viele Lehrer ihre Beurteilung alles andere als gelassen: Anfangs konnte man bei Spickmich.de sehen, welcher Schüler für welchen Lehrer abgestimmt hatte, wobei die abgegebene Note nicht angezeigt wurde. Daraufhin hätten, so Bernd Dicks von Spickmich.de, etliche Lehrer ihre Schüler aufgefordert, bei der Internetseite nicht mehr mitzumachen. "Wir wissen von Fällen, in denen Schüler vor den Direktor gezerrt wurden, mit übelsten Androhungen."
Auch die Lehrer in Südkorea müssen sich wohl mit Online-Feedback anfreunden: Das dortige Kultusministerium zeigt Interesse an der Lehrerbenotung im Internet. Mitarbeiter des Generalkonsulats haben sich bereits bei den Machern von Spickmich.de über die Seite informiert.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert