Sparplan der WAZ-Zeitungsgruppe: Das "Reitz-Modell"

Die WAZ-Gruppe muss schlanker werden, zumindest die Redaktionen: 30 Millionen Euro sollen gespart werden - auch zum Wohle der Vielfalt.

260 Stellen sollen bei der WAZ-Gruppe ohne Kündigungen wegfallen. Bild: dpa

Manchmal fragt man sich, wie Bodo Hombach eigentlich zu diesem Körperbau gekommen ist. Bei offiziellen Anlässen pflegt der WAZ-Geschäftsführer stets zu fasten, zumindest bei Presseterminen. Das geht so: Stellt der Kellner Hombach den Teller hin, lehnt Hombach ab und sagt: "Danke, ich will ja nicht dick werden." Dann grinst er kurz, die Pressemeute grinst mit - und spachtelt Hombach eins vor, auch am Freitag wieder.

Zwei Dutzend Journalisten hatte die WAZ-Gruppe zum Hintergrundgespräch gebeten, aus Tradition, wie Hombach mit Blick auf 2007 sagte, das Jahr, in dem das erste Pressetreffen der WAZ-Geschichte stattfand.

Dieses Mal traf man sich im Erich-Brost-Pavillon auf der Essener Zeche Zollverein. Bei Kalbsklößchen und tomatisierten Böhnchen sprachen die Konzernchefs über ihre Pläne und die Lage der NRW-Zeitungen, die bekanntlich gar nicht rosig ist. Da passte Hombachs Enthaltsamkeit. Er hat sich eine strenge Diät verordnet. Und den WAZ-Zeitungen im Revier gleich mit.

Seit die WAZ ankündigte, 30 Millionen Euro bei ihren NRW-Titeln sparen zu wollen, sind drei Monate vergangen. Inzwischen haben die Betriebsräte der Zeitungen eigene Vorschläge erarbeitet, als Gegenangebot zu den Sparplänen der Geschäftsführung. Hombach ist guter Dinge: Das Konzept der Betriebsräte sei "mehr als diskussionswürdig und sehr konstruktiv", sagte er. Er sei optimistisch, "dass wir die Sparmaßnahmen nicht von oben aufzwingen müssen, sondern dass sich ein Konsens abzeichnet". Was das Konzept der Betriebsräte vorsieht - kein Kommentar. Man habe Stillschweigen vereinbart, hieß es. Aus Betriebsratskreisen erfuhr die taz indes, man hoffe, den Abbau von 260 Stellen ohne Kündigungen zu überstehen, stattdessen mit Teilzeitregelungen und Abfindungen.

"Spektakulär Neues" hatten die WAZ-Chefs also nicht zu verkünden, wie Hombach gestand. Vielmehr nutzten er, der zweite Geschäftsführer Christian Nienhaus und Ulrich Reitz, WAZ-Chefredakteur, die Gelegenheit, ihren oft kritisierten Sparkurs abermals zu verteidigen. Das alte WAZ-Modell sei einem neuen gewichen, sagte Hombach. Fortan war nur noch vom "Reitz-Modell" die Rede, weil der Chefredakteur den redaktionellen Umbau ausgeheckt hat. An allen Orten, wo der Verlag zwei Titel halte, bleibe er auch künftig mit zwei Titeln vertreten; jedoch sei es unnötig, dass im Lokalsport zwei Redakteure rausführen. Einheitsbrei sei das nicht. Wie auch die Trennung von der Deutschen Presseagentur (dpa) mehr Meinungsvielfalt bedeute. "Stellen Sie sich mal vor, alle Zeitungen würden nur mit dpa-Mänteln erscheinen", so Nienhaus.

Reitz hatte kürzlich dem NDR-Magazin "Zapp" gesagt: "So wie wir Informationen von dpa benutzen oder weiter daran arbeiten, so machen wir es aber auch mit anderen Informationsquellen, ohne für diese Informationsquellen zu bezahlen." Dpa-Meldungen nutzen, ohne zu zahlen? Reitz dementierte: Der NDR-Beitrag sei "extrem verfälschend".

Ansonsten bleibt nur noch zu sagen, dass die WAZ-Gruppe laut Hombach "noch handeln" kann und nicht auf "irgendeine Form des Schrumpfens" angewiesen ist. Und dass sich Hombach und Nienhaus blendend verstehen. Nienhaus ist erst vor kurzem von der Axel Springer AG zur WAZ gewechselt. "Auch unabhängig voneinander treffen wir die gleichen Entscheidungen", schwärmte Hombach, dessen Frau übrigens schwärmt, ihr Mann sei, seit er bei der WAZ nicht mehr allein die Verantwortung trage, so entspannt - trotz Diät.

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