: Spanien: Grünes Allerlei
■ Drei landesweite grüne Organisationen konkurrieren bei den Wahlen am Sonntag um die Öko-Stimmen / Sie haben kaum Chancen auf Einzug ins Parlament
Es sieht finster aus für die spanischen Grünen. Der kürzeste Wahlkampf Spaniens hat die grünen Splitterparteien nicht vereinigen können, sondern ihre „Identitätskrise“ bewiesen.
Eine internationale Sekte hat ihr Herz für die grüne Bewegung entdeckt. Mario Rodriguez Cabas, „Silo“, ein Argentinier, gründete „La Comunidad“ vor 20 Jahren. Dank einer hierarchischen Organisationsstruktur, die Mitglieder nur durch Werbung neuer Mitglieder aufsteigen läßt, hat sich die Sekte vor allem in den USA ausgebreitet. Laut Octavi Piulats, Mitbegründer der Umweltzeitschrift 'Integral‘, hat sie Spanien als „Brückenkopf“ zu Europa auserkoren. Inzwischen hat sie auch Berlin als „Humanistische Partei“ erreicht.
Eine der erfolgreichsten Taktiken der Sekte, die als Partei „Verdes Ecologistas“ auftritt und ihre Sektenzugehörigkeit leugnet, ist die Benutzung des Sonnenblumen-Emblems der „Los Verdes - Lista Verde“, der landesweit größten grünen Partei, die 1983 von Petra Kelly mitgegründet wurde. Durch dieses Manöver der „Verdes Ecologistas“ verpaßten die spanischen Grünen im Juni haarscharf den Einzug ins Europäische Parlament. 200.000 WählerInnen hatte die Pseudo-Partei abgeworben. Das Angebot der „Verdes Ecologistas“, eine gemeinsame Liste für die Parlamentswahlen aufzustellen, nahmen „Los Verdes - Lista Verde“ nicht an.
Weitere Konkurrenz kommt von der „Partido VERDE“, die 1979 aus einer Abspaltung der Rechtspartei „Alianza Popular“ hervorging. Der Vorsitzende der kleinen „Partido VERDE“, Jose Luis Barcelo, bestritt mit dem populistischen Slogan „Entgiftet das Parlament“ seinen Wahlkampf.
Ein anderes Problem der Grünen Spaniens ist die Nationalitätenfrage nach 40 Jahren zentralistischen Franco -Regimes. Im Baskenland ist dies am deutlichsten: Dort werden die Alternativ-WählerInnen am 29. voraussichtlich Herri Batasuna, die ETA-nahe Baskenpartei, wählen.
Die Tageszeitung 'El Pais‘ ermittelte als wichtigste Anliegen der WählerInnen die Themen Arbeit, Bildung und die Bekämpfung der Kriminalität. Daß Umweltschutz unerwähnt bleibt, mag an den Fragen gelegen haben. Joan Martinez Alier, Kandidat der „Los Verdes - Lista Verde“ in Barcelona, berichtet, daß Journalisten über seine Partei informieren wollten, von ihren Chefs aber rotes Licht bekamen. Da viele spanische Medien von Parteienspenden unterstützt werden, heißt die Taktik gegenüber den Grünen: Totschweigen. Mit 140.000 DM Wahlkampfhaushalt, den die deutschen Grünen nicht bereit waren aufzustocken, sind die Versuche der Grünen Liste, das Schweigen zu durchbrechen, zum Scheitern verurteilt.
Annette Bruhns
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