: Späte Gedenkstätte
■ Erstes Holocaust-Studienzentrum im Land der Täter gegründet
Frankfurt am Main (taz) – Fünf Jahre nachdem der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Volker Hauff (SPD) die Einrichtung einer zentralen Holocaust- Gedenkstätte in der Bundesrepublik vorgeschlagen hatte, ist dieses Projekt jetzt in die Tat umgesetzt worden. Mit einem Festakt im Frankfurter Schauspielhaus ist gestern das „Fritz Bauer Institut“ als Stiftung öffentlichen Rechts gegründet worden. Es ist das erste Studien- und Dokumentationszentrum im Land der Täter, das der Geschichte und Wirkung der nationalsozialistischen Massenvernichtung gewidmet ist.
Die Einrichtung versteht sich allerdings weder als Museum noch als Gedenkstätte. Sie soll sich als interdisziplinäres Forschungskolleg mit unterschiedlichen Aspekten des millionenfachen Mordens beschäftigen. Neben der Auseinandersetzung mit den Tätern und Mitläufern soll auch die Wirkungsgeschichte des Holocaust in den deutschen Nachkriegsstaaten ein Schwerpunkt sein. Im Unterschied zu den Initiatoren eines zentralen „Holocaust-Museums“ in Berlin geht man in Frankfurt davon aus, daß museale Formen pädagogischer Vermittlung und „liturgische“ Formen des Gedenkens hierzulande problematisch und erst noch zu entwickeln sind. „Mit dem Holocaust sind unsere zivilisatorischen Gewißheiten so tief erschüttert, daß wir dringend Zeit und Raum zum Nachdenken brauchen“, sagte gestern Werner Schneider, Vorsitzender des Fördervereins des Instituts.
Der von Privatleuten und Institutionen getragene Förderverein hat wesentlich zum Aufbau des Instituts beigetragen – auch durch Spenden, die ein Drittel des Stiftungskapitals von 600.000 Mark bilden. Der Rest kommt je zur Hälfte von der Stadt Frankfurt und vom Land Hessen, die auch die laufenden Kosten tragen sollen.
Die Gründung des Instituts war von einer Arbeitsstelle im Frankfurter Kulturamt unter Leitung von Hanno Loewy vorbereitet worden. Sie hat bereits zahlreiche Tagungen veranstaltet, darunter einen Kongreß zur Erinnerung an den großen Auschwitz-Prozeß, der 1963 in Frankfurt begann. Nach dem Initiator dieses Verfahrens, dem 1968 verstorbenen hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, ist das Institut benannt. Christoph Scheffer
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