: So lustig wie möglich
■ Salman Rushdie sprach mit der taz über Pakistan, Cambridge und Shakespeare
Berlin (taz) – Wie entkommt man der Reduktion auf den „verfolgten Schriftsteller“? Ist der kulturellen Entwurzelung des Einwanderers womöglich sogar etwas Positives abzugewinnen? Der britische Schriftsteller Salman Rushdie kommt seit Jahren nicht umhin, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. In einem Gespräch, das er mit den Journalisten Caryl Phillips und Peter Böhmer anläßlich der Veröffentlichung seines Kurzgeschichtenbandes „Osten, Westen“ im Kindler Verlag führte, macht Rushdie auch deutlich, aus welchen biographischen Ressourcen sich seine Arbeit speist.
Mit einem Dichter als Großvater, einem Vater, der in Cambridge Literatur studiert hatte, und einer Mutter, die sämtliche Dynastien Bombays herunterbeten konnte, hatte er trotzdem das Gefühl, „in einem ziemlich philisterhaften Haus aufzuwachsen“. Als Vierzehnjähriger dann selbst von Bombay nach Cambridge verpflanzt, fühlte er sich zunächst von englischen Kragenknöpfen und tonnenschweren Bettdecken fast erstickt. Auf dem Weg zurück nach Pakistan machte Rushdie nach seinem Studienabschluß auch einmal im Iran halt, dem Land, dessen Mullahs vor Jahren die Fatwa gegen ihn verhängten.
In dem Gespräch wird auch deutlich, wie sehr in den Debatten über Blasphemie und Zensur, die sein Buch „Die Satanischen Verse“ ausgelöst hatte, untergegangen war, was eigentlich der politische Anlaß für sein nächstes Buch, „Die Mitternachtskinder“, gewesen war: die Hinrichtung Bhuttos in Pakistan, die Angriffe gegen seine Schwester bei den Londoner Brixton-Unruhen und der Mord eines Muslims an seiner Tochter.
In seinem neuen Roman „Des Mauren letzter Seufzer“ will Rushdie über das Indien reden, „über das ich mein Leben lang geschrieben habe und das jetzt zu Ende geht“: „Ich hoffe, er wird nicht nur eine Klage, sondern auch so lustig, wie ich ihn nur gestalten konnte.“ mn
Seiten 13 und 14
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