Sieg gegen Erzrivalen Dortmund: Asamoah, Schalkes Held

Gerald Asamoah wird nach dem 3:2-Erfolg in Dortmund als "Spieler des Spiels" gefeiert. Jogi Löw gratuliert per SMS zu seiner Superleistung.

Asamoah, Mann des Tages, beim Erfolg gegen Dortmund. Bild: ap

DORTMUND/SCHALKE taz "Nemo" gilt als widerborstiges Lebewesen. Gestern aber ließ sich die Katze, die stets über das Vereinsgelände des FC Schalke 04 streunt, bereitwillig streicheln. Was ein Derbysieg bei Borussia Dortmund doch so alles nach sich ziehen kann.

Der 3:2-Erfolg beim Erzrivalen eröffnet den Schalkern neue Perspektiven in der Fußball-Bundesliga. Der Tabellenzweite Werder Bremen ist nur noch zwei Punkte entfernt. Spitzenreiter Bayern, der Anfang März zum direkten Duell in die Arena kommt, fünf Zähler. "Wir sollten jetzt nicht träumen, dass wir Meister werden können", sagte Gerald Asamoah, nachdem er den beschwerlichen Weg durch die Fans gemeistert hatte. "Asa, du bist der Größte", himmelte ihn eine ältere Dame an. Verteidiger Heiko Westermann stellte ihn persönlich den Journalisten vor: "Der Spieler des Spiels."

Das war er zweifelsfrei. Einen Treffer hatte er erzielt, das entscheidende Tor von Fabian Ernst vorbereitet. Das krönte eine Vorstellung, die auch der Bundestrainer honorierte. "Joachim Löw hat mir per SMS zum Sieg und einer Superleistung gratuliert", strahlte Asamoah. Löw hatte als einer von 80.708 Zuschauern im Stadion miterlebt, unter welchen Bedingungen die Leistung erbracht worden war. Hass war Asamoah entgegengeschlagen. "Das war klar", sagte der Schalker. Im Hinspiel war er mit dem Dortmunder Roman Weidenfeller aneinandergeraten, der ihn wohl noch etwas heftiger beschimpfte als andersherum und gesperrt wurde. Asamoah provozierte beim 4:1-Sieg dann auch noch, indem er sich nach seinem Treffer mit dem Finger an die Kehle fuhr wie mit einem Messer.

"Klar reizt einen diese Stimmung", sagte Asamoah gestern nach einer unruhigen Nacht, aber künftig könne er auf derlei Motivationshilfen verzichten. Zumal es nicht bei Pfiffen und Verbalattacken geblieben war. Asamoah wollte zwar nicht die Beobachtung eines Zuschauers bestätigen, dass Golfbälle nach ihm geworfen worden waren, aber etwas "in der Art" sei geflogen.

Die 131. Auflage des Derbys war das perfekte Revier für Asamoah. In einer mitreißenden Partie, in der die Grenzen ausgetestet und häufiger überschritten wurden, war er als rackernder Anführer gefragt. Furchtlos stürzte er sich auf die Dortmunder Abwehr, die so erschrocken war, dass sie kuriose Fehler machte.

Durch die famose Leistung Asamoahs sah sich die Schalker Vereinsführung bestätigt, dem Stürmer einen neuen, bis 2011 gültigen Vertrag zu geben. Damit war nach diversen Äußerungen von Manager Andreas Müller und den Leistungen Asamoahs in den vergangenen beiden Jahren kaum zu rechnen gewesen. "Jetzt weiß ich, wo ich hingehöre, und habe die Last nicht mehr auf den Schultern", sah Asamoah in der Unterschrift den Grund für den Leistungsaufschwung, der ihn vielleicht sogar noch zur EM bringt. "Es wäre aber kein Beinbruch, wenn ich nicht dabei wäre."

Dass ein neuer Vertrag nicht zwingend beflügeln muss, beweist Florian Kringe. Der Dortmunder verlängerte für vier Jahre zu üppigen Konditionen, seine Formkurve fiel seitdem steil bergab. Mit Torwart Marc Ziegler, der mit Verdacht auf Schultereckgelenksprengung ausgewechselt werden musste, Martin Amedick, Robert Kovac und Sebastian Kehl gehörte Kringe zur Gruppe der Spieler mit mangelhafter oder sogar ungenügender Note. Trainer Thomas Doll und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verdienten sich einen Tadel für ihre heftige Schelte an Schiedsrichter Peter Gagelmann. Kurioserweise hingen sie ihre Kritik nicht an wirklich diskussionswürdigen Entscheidungen auf, sondern an der Roten Karte für Dede. Der Brasilianer war wegen eines Kamikazesprungs in die Beine von Ivan Rakitic des Feldes verwiesen worden. Nach dem Spiel schwieg Dede, gestern Morgen gab er sich so zahm wie Nemo: "Jeder Mensch macht Fehler. Man kann dem Schiedsrichter nicht die Schuld geben."

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