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Sexuelle Übergriffe eines UNO-Beamten

■ Protokollchef in Genf zeitweise vom Dienst suspendiert / Zahlreiche – und meistens folgenlose – Klagen über Belästigung durch männliche UNO-Bürokraten

Genf (taz) – Einer der drei ranghöchsten Beamten der UNO in Genf, Mehmet Ülkümen, ist Anfang des Jahres für sechs Wochen vom Dienst suspendiert worden. Hintergrund: Fünf weibliche UNO-Angestellte hatten über sexuelle Belästigung durch den Protokollchef geklagt. Bis gestern verweigerte die Genfer UNO-Spitze jede Stellungnahme und versuchte Journalisten mit deutlichem Hinweis auf mögliche Klagen von einer Veröffentlichung abzuhalten. Die Abwesenheit des Protokollchefs von 18.2. bis 31.3. wurde offiziell mit Urlaub begründet.

Eine der Frauen wiederholte inzwischen ihre Vorwürfe gegenüber der taz. Die Belästigungen – körperliche Berührungen, eindeutige Aufforderungen, dauernde Anrufe am Wochenende etc. – erfolgten nach ihrer Anstellung als Ülkümens Sekretärin im Jahr 1992. Nachdem ihre Klagen beim Generaldirektor der UNO in Genf nichts bewirkten, wandte sie sich ebenso wie die vier anderen Frauen schließlich an die für Disziplinarfragen zuständige Kommission im Europäischen UNO- Hauptquartier. In ihrem Untersuchungsbericht empfahl die Kommission UNO-Generalsekretär Butros Butros Ghali die Suspendierung des Protokollchefs für drei Monate ohne Bezahlung, doch dieser verhängte nur sechs Wochen.

Sowohl in Genf wie in New York, wo Frauen über die Hälfte aller UNO-Beschäftigten – jedoch fast ausschließlich in Männern untergeordneten Positionen – stellen, sind Beschwerden über sexuelle Übergriffe weit verbreitet. Doch aus Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes oder anderen Repressalien erfolgten nur wenige Anzeigen. Der Fall Ülkümen ist in der 49jährigen Geschichte der UNO erst der zweite Fall sexueller Belästigung überhaupt, der angezeigt, untersucht und – wenn auch bislang sehr milde – zumindest UNO-intern geahndet wurde.

Anfang des Jahres mußte der stellvertretende Generalsekretär des UNO-Entwicklungsprogramms (UNDP), Luis Maria Gómez, nach 25jähriger UNO-Karriere seinen Posten vorzeitig aufgeben. Eine UNO-interne Untersuchung hatte Vorwürfe einer UNO-Mitarbeiterin wegen sexueller Belästigung bestätigt. Erst als dieser ebenfalls geheimgehaltene Fall vor einem Jahr vom New Yorker Newsday publik gemacht wurde, sah sich Butros Ghali veranlaßt, Richtlinien gegen sexuelle Belästigung zu erlassen, die inzwischen in Genf und New York aushängen. Wegen der diplomatischen Immunität Ülkümens und Gómez' können die beiden nicht vor einem Schweizer oder einem US-Gericht verklagt werden. Es sei denn, Butros Ghali hebt ihre Immunität auf. Andreas Zumach

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