Das Ding, das kommt: Seltene Schwingungen
Von den frühen elektrischen Musikinstrumenten waren sie für kurze Zeit die erfolgreichsten. Heute sind die „Ondes Martenot“ – die „Martenot-Wellen“ – nur noch selten zu hören. Wie viele der sensiblen Instrumente noch funktionieren, weiß niemand, 60 vielleicht. Dabei hatte Erfinder Maurice Martenot rund 370 davon noch selbst gebaut.
1919 begann der französische Cellist und Radioamateur mit seiner Arbeit, angeregt durch ein Treffen mit dem russischen Geistesverwandten Lev Sergejewitsch Termen. Jahrelang bastelte er herum, bis ihm Termen 1927 zuvorkam und einen geheimnisvollen Holzkasten mit zwei Antennen präsentierte, der mit geisterhaftem Herumgefuchtel gespielt wurde: das Theremin.
Ein halbes Jahr später stellte Martenot doch noch seine Version eines Schwebungssummers vor, dessen Klang sich mit elektronischen Filtern verändern ließ. Die anschließende Welttournee wurde zum Triumph. Zwar sahen die Ondes Martenot nicht so spektakulär aus wie das Theremin, ließen sich aber besser kontrollieren und später auch ganz traditionell über eine Tastatur spielen. Während Termen „ein Physiker und Musiker“ sei, schrieb die Deutsche Allgemeine Zeitung, sei Martenot „ein Musiker und Physiker“.
Nach Martenots Unfalltod 1980 wurden kaum noch Instrumente gebaut, und 1988, als sein Assistent Marcel Manière in den Ruhestand ging, war endgültig Schluss. Damit sie nicht vollständig in Vergessenheit geraten, wurde in den 1990er-Jahren rund ein Dutzend Instrumente gebaut, mit Unterstützung der französischen Regierung. Sie waren digital – und die Martenot-Szene entsprechend enttäuscht; im Vergleich zum letzten Transistormodell gilt die Klangfarbe als blass.
Seitdem mühen sich die verbliebenen rund 40 OndistInnen, ihre Geräte in Schuss zu halten und zumindest ein paar der rund 1.000 Stücke aufzuführen, die dafür entstanden. Das bekannteste stammt vom größten Ondes-Martenot-Fan, vom Komponisten Olivier Messiaen: die „Turangalîla“-Sinfonie. Zum Auftakt der 42. Hamburger Ballett-Tage hat John Neumeier sich jetzt einen, so sagt er, lang gehegten Traum erfüllt und aus dem opulent-überbordenden Stück ein Ballett gemacht – an den Ondes Martenot: die Französin Valérie Hartmann-Claverie. MATT
So, 3. Juli, 18 Uhr, Hamburg, Staatsoper. Weitere Aufführungen: 5. und 8. Juli, je 19.30 Uhr
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