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Selbstverbrennung als ein politisches Fanal

■ Sudetendeutscher zündete sich an

Nürnberg (taz) – Ein 75jähriger Kriegsversehrter hat sich in München selbst verbrannt. Er war auf ein Podest der Feldherrnhalle gestiegen, hatte sich mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und selbst angezündet. Gestern morgen erlag er seinen schweren Brandverletzungen. Aus seinem vierseitigen Abschiedsbrief geht hervor, daß er seine Tat als Protest gegen die aus seiner Sicht falsche Geschichtsdarstellung nach 1945 verstanden wissen wollte.

„Mit 75 Jahren kann ich nichts mehr ändern, jetzt will ich mit meiner Tat noch ein Fanal setzen“, schrieb der Mann. Als Kriegsteilnehmer an der Ostfront, Kriegsgefangener und Sudetendeutscher sei er mit der Geschichtsdarstellung der deutschen Soldaten und der Vertreibung nicht einverstanden. Jetzt, 50 Jahre nach Kriegsende, wolle man die seiner Meinung nach „falsche Geschichtsdarstellung“ politisch endgültig festzurren. Walter Renner, Leiter der Pressestelle der Polizeidirektion München, wertete den Selbstmord als „persönliche Tat eines verbitterten 75jährigen Mannes“.

Mit seiner Tat hat der Rentner gute Chancen, zum Märtyrer der Bewegung der Geschichtsrevisionisten zu werden. Andere, wie der Ehrenvorsitzende der CDU/CSU- Bundestagsfraktion Alfred Dregger, halten die Tugenden „Disziplin, Manneszucht, Fairneß und Tapferkeit“ der deutschen Wehrmacht hoch oder verstehen wie Ernst Nolte, Alexander von Stahl und Rainer Zitelmann den 8. Mai nicht als Tag der Befreiung, sondern auch als Beginn des „Vertreibungsterrors“. Mit ihrer Veranstaltung „8. Mai – gegen das Vergessen“ wollen sie am 7. Mai in München ein Fanal gegen die offiziellen Feierlichkeiten zur Befreiung und für das „Selbstverständnis einer selbstbewußten Nation“ setzen. Bs

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