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„Seid furchtbar und wehret euch!“

■ Die Kirchentag-Frauen und ihr Manifest für die Arbeit

Hamburg (taz) – Das „Manifest“ für die Arbeit möge einen „gesellschaftlichen Dialog über das gute Leben entfachen“, wünschte sich gestern Kirchentags-Generalsekretärin Margot Käßmann. Daß sich dem Thema „Arbeit“ gerade und fast ausschließlich die Frauen des Kirchentages angenommen haben, ist kein Wunder: „Anstelle von bezahlter Arbeit werden Frauen zur Zeit abgespeist wie weiland mit dem Mutterkreuz“, befand Heide Pfarr, Professorin für Arbeitsrecht und ehemalige hessische Frauenministerin bei des gestrigen Abschluß- Pressekonferenz. Noch nach 40 Jahren Selbstbestimmung laute die Parole: „Frauen als erste raus aus dem Berufsleben und als allerletzte wieder hinein“.

Gerne folgten die Kirchentag- Frauen dem von Heide Pfarr abgewandelten biblischen Motto: „Seid furchtbar und wehret euch!“ Ihr Manifest, verabschiedet von rund 1.200 Mitstreiterinnen fordert die „Entpatriarchalisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse“, kürzere und flexiblere Arbeitszeiten für alle Menschen werden gewünscht und ein „gemeinnütziger Unternehmenssektor“, in dem Arbeit dem gesellschaftlichen Bedarf entsprechend und „nicht unter dem Druck des Profits“ geleistet wird. Die Frauen wollen eine neue Lohn- und Einkommenspolitik mit der Garantie eines existenzsichernden Mindesteinkommens, eine Steuerpolitik, die neutral ist gegenüber verschiedenen Lebensformen und eine Arbeitspolitik, die sich nicht als „Wirtschaftsförderung“ versteht, sondern sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet.

Arbeit gebe es genug, so der selten einmütige Tenor auf allen Veranstaltungen der Frauenwerkstatt. Allein: Sie ist halt ungerecht verteilt, noch immer zu Lasten der Frauen. Die Kölner Sozialwissenschaftlerin Mechthild Jansen stellte einen „neuen Arbeitsvertrag zwischen den Geschlechtern“ vor. Danach sollten Frauen wie Männer zirka 25 Stunden in der Woche einer Erwerbsarbeit nachgehen und sich danach der Arbeit in Familie oder Gesellschaft widmen können.

Die Berliner Senatorin für Arbeit und Frauen, Christine Bergmann, stellte denn auch die rhetorische Frage: „Ist es gesellschaftlich sinnvoll, eine immer kleiner werdende Zahl von Menschen immer härter arbeiten zu lassen und dafür eine immer größer werdende Zahl von Menschen ihrer Aufgabe, ihres Platzes in der Gesellschaft zu berauben?“ Was in Einzelfällen betriebswirtschaftlich begründet sein möge, grenze gesellschaftlich „längerfristig an Selbstmord“. Ela Strieder

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