: Seebetriebsräte im Hungerstreik
■ Protest der Gewerkschafter gegen „zweites Schiffsregister“ / „Sklavenarbeit zu Rassetarifen“
Hamburg (ap) - Aus Protest gegen das geplante zweite deutsche Schiffsregister sind gestern morgen zahlreiche Seebetriebsräte in Hamburg, Cuxhaven, Bremen, Bremerhaven und Lübeck in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Die Betriebsräte sehen in dem Streik nach eigenen Angaben „die letzte Möglichkeit“, die Öffentlichkeit auf die bisher wenig beachtete Diskussion um das zweite Schiffsregister aufmerksam zu machen. Durch das von der Bundesregierung vorgesehene Gesetz solle der jahrhundertealte Beruf des Seemanns vernichtet werden. „Es ist verfassungswidrig und zutiefst unsozial.“ Gleichzeitg mit dem Hungerstreik besetzten die Betriebsräte ihre Büros und wollen dort Tag und Nacht bis zum Ende ihrer Aktion ausharren.
Das Gesetz gilt seinen Befürwortern als Alternative zu der bisherigen Praxis des „Ausflaggens“ deutscher Schiffe unter die Flagge eines anderen Landes, wo unter anderem weniger Steuern gezahlt werden müssen. Nach dem Zweitregister können auf deutschen Schiffen „billige“ Arbeitskräfte aus Ländern der Dritten Welt zu deren Tarifbedingungen angestellt werden. Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) erklärte erneut, daß sie in der Vorlage keinen Alternativentwurf sähe. Vielmehr würden mittelfristig „alle Seearbeitsplätze zu deutschen Tarifbedingungen vernichtet werden“. Gewerkschaftsvertreter von Fährschiffreedereien erklärten, das künftige Gesetz erlaube die Einführung von „Sklavenarbeit zu Rassetarifen“.
Bei den Seebetriebsräten heißt es, die Anhörung im Verkehrsausschuß des Bundestages habe zweifelsfrei ergeben, „daß mindestens 15.000 der verbliebenen 17.000 deutschen Seeleute durch dieses Gesetz ihren Arbeitsplatz verlieren werden“. Das neue Register diene lediglich den Reedern zur Lohnkostensenkung.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen