Schweinsteiger-Ersatz Toni Kroos: "Ich werde nie ein großer Grätscher"

Fällt Bastian Schweinsteiger im Achtelfinale gegen England aus, wird Toni Kroos ihn ersetzen müssen. Ein Interview über die Aufgaben eines Sechsers, technische Qualitäten und den FC Bayern München.

"Man muss flexibel sein, um Einsatzzeit zu bekommen." Bild: reuters

taz: Herr Kroos, haben Sie sich am heutigen Freitag schon nach dem Gesundheitszustand von Bastian Schweinsteiger erkundigt?

Toni Kroos: Nee, hab ich noch nicht.

Wenn er auf seiner Position im defensiven Mittelfeld wegen einer Verhärtung im Oberschenkel am Sonntag gegen England nicht spielen kann, dann müssen Sie ran.

Ja, das ist richtig, aber das macht mich nicht besonders nervös. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Schweini fit wird. Wenn nicht, dann bin ich da. Genauso wie ich in der Schlussphase des Ghana-Spiels eingesprungen bin, so werde ich auch diesmal bereit stehen.

Es wäre aber nicht Ihre Lieblingsposition.

Grundsätzlich sehe ich mich als Offensivspieler, ganz klar, aber dadurch, dass auf dieser Position einige Spieler ausgefallen sind, hat mich der Trainer ja schon mal getestet gegen Ungarn. Da hat es gut geklappt. Der Bundestrainer weiß, dass ich den Sechser spielen kann - auf meine Art.

Was heißt das, auf Ihre Art?

Ich werde nie ein großer Grätscher werden. Ich versuche immer alles fußballerisch zu lösen. Mit technischer Qualität. Ich weiß aber auch, dass auf dieser Position taktische Disziplin gefragt ist. Da müsste ich mich ein bisschen umstellen. Ich kann nicht jeden Angriff mitgehen. Und man müsste sich auch ständig mit dem zweiten Sechser abstimmen.

Sami Khedira ist aber auch sehr offensiv orientiert?

Klar, Disziplin ist gefragt.

Sehen Sie sich in der Rolle des Lückenbüßers, weil Ihre Vorlieben ja woanders liegen?

Nein, das ist eine Wertschätzung, denn der Bundestrainer traut mir diese defensive, ungewohnte Rolle zu. Grundsätzlich spiele ich ja vorm Sechser in der Mitte oder links. Ich weiß echt nicht, ob man sich als Lückenbüßer sehen muss, wenn man der erste Nachrücker für Schweini ist. Man muss halt flexibel sein, um Einsatzzeit zu bekommen.

Die Leverkusener Presse hat sie einmal als "Defensiv-Schlampe" bezeichnet. Haben Sie eine Ahnung, aus welchem Grund?

Naja, was soll ich dazu sagen (lacht). Ich denke, dass ich dieses Urteil in Leverkusen widerlegen konnte.

In Leverkusen haben Sie neun Tore geschossen und zwölf Tore vorbereitet, sind Sie manchmal Jürgen Klinsmann dankbar, dass er Sie auf Leihbasis hat ziehen lassen von Bayern zu Bayer?

Ich hätte mich auch in München ins Rampenlich spielen können, aber gut, die Möglichkeit wurde mir damals nicht gegeben. In Leverkusen konnte ich zeigen, was ich draufhabe.

Wieso hat man Sie weggeschickt?

Ach, es war einfach keine optimale Zeit. Ich brauchte Spielpraxis. Die habe ich bekommen.

Gehen Sie gerne zurück zu den Bayern?

Ich habe mich in Leverkusen sehr wohl gefühlt, aber bei den Bayern habe ich die Chance, wieder einen großen Schritt zu tun. Außerdem komme ich als ein anderer Spieler wieder.

Inwiefern?

Ich bin jetzt ein gestandener Spieler. Ich habe die erste Saison komplett durchgespielt. Es lief unheimlich gut. Ich konnte endlich auf dem Platz bestätigen, was immer nur geschrieben wurde.

Gegen England steht die nächste große Bewährungsprobe für ein junges Team an. Sind Sie gewappnet?

Wir freuen uns aufs Spiel. England hat ja bisher nicht überragend gespielt. Wir können gegen England weiterkommen. Wir werden genauso in das Spiel gehen wie gegen Ghana.

Bitte nicht, das war ja eher ein Zittersieg!

Wenn wir 1:0 gewinnen, dann sind wir zufrieden.

Sie wollen also nicht mit Superoffensiv-Fußball die Engländer an die Wand spielen?

Wenn wir bei einem Sieg auch noch schön spielen, umso besser. Aber das Ziel ist die nächste Runde. Die Chancen dafür stehen fifty-fifty.

Das erste Spiel gegen Australien war ein Versprechen. Können Sie es nun nicht mehr einlösen?

Australien war schwach an diesem Tag. Dass es nicht mit diesem Hurra-Stil durchs ganze Turnier geht, das ist doch normal.

Früher wollten Sie so kicken wie Johan Micoud von Werder Bremen. Und heute?

Heute habe ich kein Vorbild. Micoud habe ich bewundert, ja. Er war ein unheimlich eleganter Fußballer. Der hat immer vorher schon gewusst, was er mit dem Ball anstellen will. Dieses vorausschauende Spiel wollte ich mir zu eigen machen.

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