■ Vorlauf: Schwarz, weiß, rot
Der Neger Weiß, Montag, 19.25 Uhr, ZDF
Rainer Weiß ist Mitte Vierzig und Versicherungsverteter, hat eine patente Gattin, wohlgeratene Töchter, ein Haus in besserer Gegend, einen Volvo und so seine Ansichten: Klar geht er auch schon mal zum Italiener um die Ecke auf 'ne Pizza oder läßt sich von einem überaus preiswerten Polen das Unkraut rupfen. Doch bei diesen Asylanten, die nix arbeiten und womöglich auch noch schwarz sind, da sieht Weiß rot.
Und dann wird so einer samt Familie auch noch in seiner unmittelbaren Nachbarschaft einquartiert. Als sei's damit noch nicht genug, latscht dieser Mukanti, so heißt der Neger, ihm auch noch versehentlich auf den Fuß. Folge: Bluterguß. Denkt Weiß jedenfalls. Doch die Verfärbung geht nicht nur eindeutig ins Schwarze, sondern dehnt sich auch noch von Tag zu Tag aus. Und eines Morgens merkt der treusorgende Familienvater, daß sein Hund ihn so komisch anguckt, schaut in den Spiegel und würde wahrscheinlich kreidebleich – wenn Reiner Weiß nicht zum Neger geworden wäre. „Supraspontane Pigmentmutation“ sagt der Arzt und bescheinigt ihm ansonsten beste Gesundheit. Die Freunde versuchen zu trösten, kommen aber immer seltener vorbei, im Büro wird Anteilnahme geheuchelt, aber ständig gekichert, und seine Kunden sind plötzlich auffallend häufig verreist.
Was hatt es nicht schon alles für aufrecht-problemorientierte Versuche gegeben, fictionsmäßig der grassierenden Ausländerfeindlichkeit beizukommen. Für eine Komödie schien das Thema nun wahrlich zu ernst. Doch siehe da, es geht. Sicherlich hat „Der Neger Weiß“ hier und da ihre Schwächen, wo die Wortspielerei („Kaffee? Schwarz?“) überstrapaziert wird, der Umschlag von ehelicher Solidarität in Verzweiflung reichlich unvermittelt kommt und der „überraschende“ Schluß gänzlich vorhersehbar ist. Daß Weiß den Asylanten noch vor ein paar Glatzen retten muß, hätte es sowenig gebraucht wie die Holzhämmerchen gegen das böse Privatfernsehen. Trotzdem ist das Ganze über weite Strecken eine überaus vergnügliche Angelegenheit. Und politisch korrekt obendrein.Reinhard Lüke
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen