: Schwarz und Weiß im gleichen Boot
■ Das „neue Südafrika“ erlebt seinen ersten Generalstreik
Johannesburg (taz) – Das „neue Südafrika“ erlebte gestern eine Premiere: Zum ersten Mal fand ein landesweiter halbtägiger Generalstreik statt, zu dem die drei größten Gewerkschaftsverbände ihre insgesamt über zwei Millionen Mitglieder aufgerufen hatten. In allen größeren Städten Südafrikas versammelten sich Tausende von Arbeitern, um für ihre Forderungen bei der Reform des Arbeitsrechts zu demonstrieren. Allerdings blieb die Beteiligung bis zum frühen Nachmittag hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Die Polizei im ganzen Land war in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, ging jedoch schon im Vorfeld davon aus, daß der Streik friedlich verlaufen würde.
Der Generalstreik ist der Abschluß einer mehr als 14tägigen Protestserie. Hintergrund sind die Verhandlungen zwischen Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften um ein neues Arbeitsrecht, die seit Wochen nicht vorankommen. Die Regierung hat einen Entwurf vorgelegt, der so grundlegende Rechte wie das auf Streik und Aussperrung, eine Senkung der Wochenarbeitszeit von 48 auf 40 Stunden sowie weitgehende Maßnahmen zu mehr Demokratie am Arbeitsplatz vorsieht. Strittig bleibt das Recht auf Nichtentlassung bei Streik sowie die Forderung der Gewerkschaften nach zentralen Tarifverhandlungen. In letzterem Punkt ist die Arbeitgeberseite bislang unnachgiebig.
Gegenüber den vielen Lohnstreiks, die bereits unter der Regierung Mandela stattgefunden haben, hat der Generalstreik eine neue Qualität: Erstmals haben sich weiße und schwarze Gewerkschaften verbündet. Größte aufrufende Gewerkschaft ist der ANC-nahe „Cosatu“ (Congress of South African Trade Unions) mit mehr als einer Million Mitglieder. Sie hat es verstanden, den „National Council of Trade Unions“ (Nactu) und die mehrheitlich weiße „Federation of South African Labour Unions“ (Fedsal) zu mobilisieren.
Unerwartete Unterstützung hatten die Arbeiter vor zwei Wochen zum Auftakt ihrer Protestaktionen erhalten, als auf einer Großkundgebung in Johannesburg überraschend Präsident Nelson Mandela erschien und versicherte, er habe Verständis für ihre Forderungen. Die gestrigen Massenproteste kritisierte demgegeüber der Sprecher der Südafrikanischen Handelskammer, Gerrie Bezuidenhout, als „vollkommen unangemessen, weil die Verhandlungen weitergehen. Das ist ein Rückfall in das alte Südafrika.“ Er empfahl den betroffenen Firmen, nach dem Prinzip „no work, no pay“ (keine Arbeit, keine Bezahlung) zu verfahren. Kordula Doerfler
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