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Schwangere erhalten Bischofsrat

■ Kommission der katholischen Kirche spricht sich für den Verbleib in der umstrittenen staatlichen Konfliktberatung aus. Gespräche sollen heute abgeschlossen werden

Düsseldorf/Bonn (dpa) – Die katholische Kirche soll nach den Vorstellungen einer Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz in der staatlichen Schwangeren-Konfliktberatung bleiben. Das gehe aus einem vertraulichen Papier der Kommission hervor, die seit Monaten hinter verschlossenen Türen nach einer Lösung gesucht habe, berichtete die Rheinische Post gestern. Eine Sprecherin der Bischofskonferenz wollte dazu nicht Stellung nehmen. Sie verwies aber darauf, daß die Kommission heute erst ihre Beratungen abschließe. Über das Ergebnis werde der Ständige Rat der Bischofskonferenz Ende Januar in Würzburg beraten, ehe sämtliche Bischöfe auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im Januar entscheiden und ihr Votum dem Papst mitteilen werden.

Johannes Paul II. hatte im Januar 1998 die deutschen Bischöfe aufgefordert, künftig nicht mehr Beratungsscheine für eine straffreie Abtreibung auszustellen. Die Kirche solle auch in Zukunft Schwangere beraten und ihnen noch mehr als bisher helfen, die gesetzlich vorgeschriebene Vergabe der Scheine verdunkle aber das Zeugnis der Kirche für das Leben, erklärte der Papst. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, kündigte an, die Bitte des Papstes zu erfüllen, zugleich aber nach einer Möglichkeit zum Verbleib im staatlich anerkannten Beratungssystem zu suchen. Nur so ließen sich möglichst viele Frauen erreichen. Schon vor dem Papstbrief war als bislang einziges Bistum Fulda unter Erzbischof Johannes Dyba aus dem staatlichen System ausgestiegen. Er bezeichnete die Beratungsscheine als „Tötungslizenz“.

Nach Angaben der Rheinischen Post läßt die Bischofskommission keine Zweifel daran, daß sie das deutsche Recht zum Thema Abtreibung für eine Verschlechterung des Lebensschutzes hält. Andererseits könnten bei einem Ausscheiden der Kirche aus dem staatlichen Beratungssystem andere Gruppen größeren Einfluß erlangen, die weniger deutlich für das Recht Ungeborener eintreten. Der Kommission gehören unter anderem Lehmann und die Bischöfe von Freiburg und Dresden sowie die frühere Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Rita Waschbüsch, an.

Waschbüsch sagte gestern, sie sei optimistisch, daß es 1999 eine Lösung im Sinne Lehmanns und des Papstes geben werde. Der Papst habe lediglich das Ausstellen von Beratungsscheinen „dieser Art“ abgelehnt. Die Kommission habe den Auftrag gehabt, nach alternativen Lösungen zu suchen. Man arbeite der Bischofskonferenz lediglich zu, „die Entscheidung müssen die Bischöfe fällen“.

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