"Schuhwerfer von Bagdad" wieder frei: "Elektroschocks und Schläge"
Der irakische Journalist Muntadhar al-Zaidi musste neun Monate ins Gefängnis, nachdem er George W. Bush mit seinen Schuhen beworfen hatte. Nach seiner Freilassung erhebt er Foltervorwürfe.
BAGDAD dpa | Der "Schuhwerfer von Bagdad" ist neun Monate nach seinem berühmt gewordenen Wurf auf US-Präsident George W. Bush aus dem Gefängnis entlassen worden. Das meldete der TV-Sender Al-Baghdadija, für den der irakische Journalist Muntadhar al-Zaidi arbeitet, am Dienstag. "Ich bin ein Nationalist und konnte nicht ertragen, was meinem Land angetan wurde", sagte er nach seiner Freilassung. Im Gefängnis sei er unter anderem mit Elektroschocks gefoltert worden.
Der Reporter war festgenommen worden, nachdem er im Dezember vergangenen Jahres während einer Pressekonferenz seine Schuhe nach dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush geworfen hatte. Er war dafür ursprünglich zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe für den Journalisten, der Bush auch als "Hund" beschimpft hatte, war später wegen guter Führung reduziert worden.
Al-Zaidi sagte, neben Elektroschocks sei er auch mit Schlägen gefoltert worden. Außerdem sei am Tag seiner Festnahme im Dezember sein Kopf mit Wasser übergossen worden, um das Ertrinken zu simulieren. Anschließend sei er die ganze Nacht in der Kälte festgehalten worden. "Zur selben Zeit, als der irakische Ministerpräsident Nuri al-Malik sagte, er könne nicht ruhig schlafen, wenn er nicht gewiss sei, dass ich in Sicherheit bin, wurde ich auf alle mögliche Art und Weise gefoltert", beklagte er. "Ich fordere von ihm eine Entschuldigung dafür, dass er die Wahrheit über die Folter verschwiegen hat."
Seine Unterstützer hatten schon am frühen Morgen ein Festzelt aufgebaut, um den Schuhwerfer zu feiern, der in ihren Augen ein Held ist. Sie schlachteten zu seinen Ehren mehrere Schafe und ließen irakische Volksmusik spielen. Zu Ehren des Journalisten wurden eine riesige Statue in Form eines Schuhs errichtet.
Bush, in dessen Amtszeit die Beliebtheit der USA in der arabischen Welt einen Tiefstand erreicht hatte, war durch die Attacke nicht verletzt worden, weil er den Wurfgeschossen geschickt ausgewichen war.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert